31, August, 2025
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Ein kleiner Einblick in eine Europa-Radreise

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Anfang des Jahres hatte ich die Gelegenheit, mit Tiko (20J) zu sprechen, der im Herbst 2024 auf seine Europa-Radreise aufbrach. In diesem Interview erfahrt ihr mehr über den Reiz des Ultracyclings sowie Höhen und Tiefen, denen der junge Ergotherapeut auf seiner Reise begegnet ist.

Wie lange bist du schon im Radsport? Was hat dir dein erstes Interesse geweckt?  
Radsport fand ich schwer zu definieren, als ich mir die Fragen einmal durchgelesen habe. Was ist Radsport? Auf dem Fahrrad sitzen und Touren erleben? Wenn man es dazu zählt, ist es schon mit sieben Jahren gestartet. Wir sind dann mit sieben Jahren zu Ostsee gefahren — in einer Woche.  Das hat viel geprägt. Vorher war Fahrradfahren für mich an sich kein Sport. Und dann kam Ausdauer dazu mit über 100 Kilometern, das war damals für mich schon richtig viel.  Da habe ich mich jedes Mal gefreut, wenn ich einen Kilometer über 100 hatte. Dann war ich 14, 15 Jahre alt und habe meine Tour alleine gemacht mit einem Freund. Wir sind dann zur Ostsee gefahren und noch mal wieder ein Stück zurück bis nach Hause. Da brauchte man tatsächlich auch noch eine Elternerlaubnis mit einem möglichen Pipapo, damit man überhaupt auf Campingplätzen schlafen darf. Irgendwann bin ich zu Oma gefahren, das waren 175 Kilometer an einem Tag.

Stadtradeln war auch noch so ein großes Thema, das geprägt hat. Man hat drei Wochen Zeit, wo man für alle Leute in der Kommune Rad fährt. Ich habe es für mich als Challenge gesehen, so viele Kilometer wie möglich zu sammeln. Ich glaube 2023 hatte ich 2.200 Kilometer in drei Wochen. Dann kam auch Steppenwolf dazu.  Das ist ja mittlerweile ein Verein und die organisieren Rennen, wie Berlin-Usedom-Berlin, Berlin-Agermünde-Berlin oder die unsupportete Bikepacking-Challenge. Ich bin dann mitgefahren und habe mir mein eigenes Material gekauft, Taschen, etc.  Da habe ich wirklich die Freude am Fahrradfahren noch mehr entdeckt – den Körper ein bisschen zu quälen, Ausdauer zu bekommen. Nach meinem Ultra 500 im Harz wollte ich auch mit Ambition ein bisschen an Steppenwolf rangehen und habe dann den zweiten Platz gemacht. Geht ja nicht, ist ja kein Rennen. Ich wollte mich selbst pushen und habe dann 600 Kilometer in 40 Stunden gemacht. Ausdauer war bisher mein Ziel.  Jetzt trainiere ich für Cyclocross, 120-kilometer Distanzen. Rad-Sport ist so vielseitig, wie du sagst. Man kann relativ viel machen, von kleinen Touren mit der Familie, von A nach B durch die Stadt bis hin zu 600 Kilometer am Stück fahren.

Du hast ja jetzt schon ziemlich viele lange Distanzen gemacht. Gab es da Personen, die dich beeinflusst haben, wo du dachtest, das sieht gut aus, darauf hätte ich auch Bock?  Oder war das eher so sehr viel intrinsische Motivation auch?
Tatsächlich hatte ich solche Menschen nicht wirklich. Ich kannte Jonas Deichmann, der hat ja den Triathlon um die Welt gemacht und mich etwas inspiriert. Aber so an sich war viel intrinsische Motivation, einfach auf dem Fahrrad zu sitzen und mich selbst zu pushen. Irgendwie ist durch Strava und Komoot viel kaputt gegangen. Da habe ich dann gesehen, was andere Leute fahren. Man vergleicht sich viel, möchte mal schneller weiter und besser werden, im Vergleich zu anderen und nicht mehr sich selbst, ist ein bisschen schade.  Weiß ich selber, dass es nicht so cool ist und mir selber auch nicht mehr so viel Spaß macht deshalb, aber man vergleicht sich doch schon irgendwie mit den ganzen Medien.  

Wie bist du darauf gekommen, eine Europa Tour zu machen? In der Ausbildung zum Ergotherapeuten hatte ich oft Langeweile im Unterricht. Ich habe mir Komoot auf’s iPad heruntergeladen und dann immer mir Orte rausgesucht und dann ist so ein bisschen die Idee entstanden, eine Weltreise zu machen für ein Jahr nach der Ausbildung. Die Idee habe ich schnell verworfen, weil ich zu faul bin, um mich um den ganzen Visa Kram zu kümmern. Ich wollte so viele Länder wie möglich mitnehmen, habe mir einfach ein paar Punkte auf Kommod markiert und eine grobe Route geplant. Ende 2024 im September habe ich die Ausbildung abgeschlossen und jeden immer 500 Euro beiseite gelegt. Eine Woche vor dem Start habe ich jemandem aus Berlin noch geschrieben,  Dennis – er ist auch ein Radfahrer und hat ein bisschen Reichweite und er hat eine Gruppenausfahrt organisiert. Wir haben uns am Brandenburger Tor getroffen und die haben mich dann noch 30, 40 Kilometer begleitetes, es war wunderschön so zu starten. 

Gab es da anfangs Kritik, gab es Leute, Freunde, Familie, Bekannte, die gesagt haben, ok, das ist schon ziemlich krass, was du machst, bist du dir da sicher? Also meine Familie hat mich schräg angeguckt als ich gesagt habe, ich möchte um die Welt fahren.  Ich glaube, da waren sie sehr erleichtert, dass ich dann gesagt habe, ich bleibe nur in Europa.  Meine Familie steht dann eigentlich immer oft hinter mir und hat einfach mich machen lassen.

Bist du primär gezeltet oder warst du bei Gastfamilien untergebracht? Wie hast du das geregelt?
Also ich habe ein Zelt dabei gehabt und ich mag es eigentlich für Equipment Geld auszugeben, aber für Unterkünfte auf jeden Fall nicht, geschweige denn für Zeltplätze, die sind mir zu teuer, da achte ich sehr auf’s Geld und auch die Tour wollte ich eigentlich low-budget angehen. Ich bin zwar ein Gearjunkie, aber alles andere darf dann kein Geld kosten. Ich habe früh angefangen irgendwo draußen zu schlafen, bin halt auch manchmal während der Schulzeit einfach zum Liebnitzsee gefahren und hab dort meine Hängematte aufgebaut und einfach eine Nacht geschlafen und bin dann am Morgen schnell zur Schule. Dadurch bin ich glaube ein bisschen abgehärtet und hab halt das Vertrauen in die Menschheit, dass nichts passiert.  

In Belgien bin ich auf den Berg rauf und hatte einen wunderschönen Sonnenuntergang und wollte dort mein Zelt aufbauen. Dann kam da ein Auto vorgefahren und ich dachte, oh nee, jetzt ein Bauer, der schimpft mit mir.  Das war ein Einheimischer, der einfach nur schauen wollte, ob man da gut Paragleiten kann. Dann kamen wir ins Gespräch, und er meinte, er sei schon mal nach Japan gefahren mit dem Rad und er kennt die Situation und ob ich nicht mit ihm zu ihm nach Hause kommen möchte, seine Familie kommt auch bald nach Hause. Sie haben mir Essen gekocht und ich durfte in einem zweites Häuschen auf dem Grundstück schlafen. Am nächsten Tag gab es Croissants zum Frühstück, was bei meinem low-budget schon richtig Luxus war. Ich habe gefragt, ob ich noch einen Tag bleiben darf und regenerieren darf. An dem Tag habe ich mit seinem kleinen Kind gespielt, zwar gab es eine sprachliche Barriere, das kleine Kind konnte kein Englisch und ich auch nicht wirklich gut, aber es hat trotzdem irgendwie gepasst.

Ein Nachteil an einer Radreise ist, dass man halt Gepäck hat, was man nicht irgendwo stehen lassen kann, um dann irgendwie noch die Stadt zu erkunden, man muss halt immer das Rad dabei haben. Meine Mutter hatte aber angeboten, mir ein Airbnb zu mieten, weil ich sonst Städte eher meide und nur schnell durch sie hindurch fahre. Aber in Paris habe ich mir einen Airbnb gemietet für eine Nacht und habe in der Nacht dann Paris erkundet und bin mit der Metro gefahren und eineinhalb Stunden am Eiffelturm angestanden. Eigentlich war er ab der dritten Etage ausgebucht, aber kurz vorher haben sie die Etage wieder geöffnet – dann durfte ich auch mal ein bisschen Treppen steigen, mal ein bisschen andere Bewegung für den Körper, mit meinen Radschuhen habe ich dann Paris erkundet. In Bordeaux, da habe ich mir dann tatsächlich auch vier Tage Zeit gelassen, da kam dann meine Freundin mit dem Flugzeug und wir haben gemeinsam Zeit verbracht und Bordeaux erkundet.

Wie viele Tage warst du dann insgesamt unterwegs? 

Ich war 68 Tage unterwegs und hatte am Ende 6200 Kilometer. Im Sommer davor habe im beim Triathlon von Jonas Deichmann einen Tag mitgemacht. Dafür habe ich nicht so viel trainiert und danach ist mein Körper total runtergefahren, sodass ich den Husten meiner Schwester aufgenommen habe. Das ging dann nicht weg, sodass ich den Sommerlang Husten hatte und so bin ich geschwächt in die Tour gestartet. Ich war noch krank und ich glaube das war nicht so gut. Es hat mir viel Energie geraubt  und ab Amsterdam habe ich auch Ohrenschmerzen bekommen auf einem Ohr. Es wurde immer schlimmer und ich habe irgendwann nichts mehr auf dem linken Ohr gehört. Das ging dann ganz Spanien durch und dann bin ich halt mal in Porto zum Arzt gegangen.  Es stellt sich heraus, ich hatte eine Mittelohrentzündung, die aber nicht weh tat. Ich hatte dann einfach nichts mehr gehört auf dem Ohr. Meine Nasennebenhöhlen waren zu. Ich habe dann viele Medikamente bekommen, sei es Nasenspülungen, irgendwelche Tropfen und Tabletten, Antibiotika. Ich glaube in sich haben die Medikamente 50 Euro gekostet und der Halsnasenohrenarzt auch nochmal 95€, was halt extrem viel war.  

Und da kommen wir zur nächsten großen Herausforderung, dass ich vor der Tour nicht wirklich eine Auslandskrankenversicherung gefunden habe.  Kurz vor Niederlande habe ich dann endlich eine gefunden, die ich mir auch gekauft habe. Normalerweise kostet eine Auslandskrankenversicherung 20 Euro im Jahr, aber die Reise geht alle nur bis 50 Tage. Ich habe mir eigentlich vorgenommen, die Reise online zu posten, jeden Tag einen Bericht zu schreiben, Fotos hochzuladen.  Weshalb ich ja nicht einfach sagen kann, ok, ich kaufe jetzt mir die für 20 Euro und sage einfach, ich bin erst 40 Tage unterwegs.  Und man musste dann bei der Auslandskrankenversicherung für 2,30 Euro am Tag die kaufen. Also ich habe dann mir vor einem Jahr, also 800 Euro musste ich dann dafür blechen. Aber beim HNO hat die Auslandskrankenversicherung eingegriffen und dann habe ich meine 95 Euro wiederbekommen. 

Ich war dann sehr stolz darauf, dass ich es mir doch dann gekauft habe. Aber ja, genau, das war auch eine Herausforderung, jeden Tag einen Bericht hochzuladen.  Ich habe am Anfang mir vorgenommen, jeden Tag ein Reel zu machen, wo ich dann auch spreche. Das habe ich auf Instagram schon mal gesehen und habe auch den ersten Tag viel in die Kamera gesprochen.  Das kam mir aber so komisch bevor, dass ich es nach dem zweiten Tag dann gelassen habe. Ich habe LHS, also Leserrechtscheibschwäche und ich mag eigentlich überhaupt gar kein Schreiben und Lesen. Und dann habe ich Chat-GPT verwendet, um mir meine Tagesberichte zu schreiben. Dann habe ich ihm immer meistens eine 4 Minuten Audio gegeben, wo er dann zusammengefasst hat den Tag und ich das dann bei Instagram hochladen konnte.  

Du hast jetzt relativ lange auch über dein Kranksein während der Tour geredet.  Würdest du sagen, das war schon somit deine größte Herausforderung oder war das halt die Mischung aus allem? Komm’ ich von A nach B, wo besorge ich das Essen, wo schlafe ich und so weiter? 

Also, Essen und Schlafen war keine Herausforderung. Was halt wirklich die größte Herausforderung war, war glaube ich, dass die Krankheit sehr viel gezerrt hat.  Aber in dem Moment war mir das nicht so bewusst, glaube ich.

Du warst ja jetzt mehrere Monate ganz alleine unterwegs – wie war das so für dich? 

Das Alleine-Sein war auch eine sehr große Herausforderung für mich. Es geht, mal so 7 Tage eine Tour zu machen und alleine zu sein, das ist voll in Ordnung.  Aber ich glaube, es ist halt wunderschön, wenn man auch jemanden hat, mit dem man alles teilen kann. Ich habe zwar alles auf Instagram geteilt, aber da habe ich mal so einen Daumen hoch  oder einen Like bekommen oder mal einen Kommentar. Da kam halt das Feedback immer erst super spät und wenn man halt mit jemandem zusammen  ist, glaube ich, bekommt man halt Feedback sofort.  Was halt auch wunderschön war ist, dass ich 3 Tage mit jemanden zusammengefahren bin. Da habe ich Max getroffen und wir haben ein bisschen gequatscht und dann haben wir uns gesagt, lass uns mal zusammenfahren. Wir haben viel zusammengeteilt, ich habe da das erste Mal irgendwie am Tag Pausen gemacht. Ich bin sonst mal jeden Tag durchgefahren. 

Der Abend war atemberaubend, als wir dann halt irgendwo an der Ruine ankamen und meinten so, ok, wir bleiben nur kurz hier, wir schauen uns das an und wenn es vielleicht schön ist,  dann können wir ja auch hier schlafen. Genau in dem Moment waren wir dann so am Wasser kurz vor Spanien – und auf einmal waren Delfine am Wasser. Mein Englisch ist zwar nicht das beste, aber wir haben trotzdem zusammen gelacht und es war einfach wunderschön, mir kamen fast die Tränen. Und wenn man die ganze Zeit alleine wäre, wäre es nicht so schön gewesen.

Was würdest du jungen Menschen oder Menschen meinen, die sowas auch unternehmen wollen? Hast du Top 3 Tipps, denen du ihnen mit auf den Weg gehen würdest?

Ja, ich würde einfach sagen, einfach mal anfangen und machen. Nicht so viel planen, einfach losfahren.  Ja, man soll schon schauen, was man für Equipment hat, aber man braucht nicht das beste Equipment. Es geht auch mit günstigem Equipment und man muss nicht immer draußen schlafen. Man kann ja auch erst mal klein anfangen und irgendwo sich eine Unterkunft holen. 

Vielen Dank, dass du die Zeit genommen hast.

Gerne. 

☀️Sommerball 2025

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Der erste Sommerball (von Schülern für Schüler organisiert!) war ein großer Erfolg.

Ein zugegeben sehr heißer Samstagabend wurde im Audimax bei Live Musik, Buffet und Ball-Atmosphäre verbracht. Von Jung bis Alt – 7. bis 13. Klässler kamen alle auf ihre Kosten.

Um 17:30 begann der Einlass, circa 80 Personen sollten sich insgesamt einfinden.
Das am Tage zuvor geschmückte Audimax blühte dann wortwörtlich in pink-sommerlichen Tönen.
Für Live Musik sorgten zuerst ein Teil der Merian-Band mit Iris (GooGooDolls), Seven Nation Army (White Stripes) und Shallow (Lady GaGa) — bis die gesamte Band Dancing in the Moonlight (Toploader) und I‘ll be here for you (The Rembrandts) performte.
Schlussendlich gab FloVince eine etwas längere Setlist zum Besten, u.A. Condemnation (Red Hot Chili Peppers), I just can‘t get enough (Depeche Mode) oder Home (Matthew Hall).

Dazwischen ließ man sich ausgelassen auf der Tanzfläche vor der Bühne aus, bis sich der Abend gegen 23:30 Uhr dem Ende zuneigte.

Das sagen die Gäste:

,,Es war sehr schön‘‘

,,Ich habe den Abend sehr genossen. Danke dafür, es war grandios!‘‘

,,Das habt ihr großartig umgesetzt. Von den Mocktails bis hin zur Deko und Musik… toll!‘‘

Modetrend oder Mentalitätswandel?

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Samstagnachmittag in Berlin. Die Sonne kämpft sich zaghaft durch die grauen Wolken, aber auf ein Leuchten ist immer Verlass. Die Schaufenster der Stadt strahlen hell und das egal zu welcher Tageszeit. Darin, wie bunte Farbtupfer, die neuesten Kollektionen. Kleider, die eine stille, aber unmissverständliche Botschaft aussenden: „Du brauchst mich. Dein Leben wird besser durch mich.“ Und wer könnte widersprechen, in einer Welt, in der ein neues Outfit oft wie ein unbeschriebenes Blatt erscheint, die Möglichkeit sich neu zu erfinden, seine Selbstwahrnehmung zu verändern, immer und immer wieder?

Doch in letzter Zeit, inmitten all der trendigen Tops und perfekt drapierten Stoffe, drängt sich eine Frage auf die so nervig ist wie ein Ohrwurm eines Songs, den man eigentlich gar nicht mag: Sind wir nicht kollektiv ein wenig… abhängig geworden? Abhängig von der ständigen Zufuhr des Neuen, dem prickelnden Gefühl des gerade Erworbenen, dem vermeintlichen „Must-Have“ eines jeden Trends? Ein Blick in die Friedrichstraße genügt um zahlreiche Menschen zu beobachten, die mit prall gefüllten Tüten aus den Geschäften kommen. Ist es tatsächlich die tiefe Freude am Besitz, die sie antreibt, oder vielmehr die flüchtige Genugtuung, die so schnell verblasst, wie das Knistern des Bons, den man hastig mit in die 10-Cent-Papiertüte schiebt? Dieses kurzzeitige Hochgefühl, das unausweichlich dem nächsten Verlangen weicht, sobald das Preisschild entfernt und das neue Stück in den bereits gut gefüllten Schrank verstaut wurde. Und so beginnt der Kreislauf von neuem. Fühlt sich so endlos an… Auch wenn der Schrank es leider nicht ist.

Nun, es gibt da aber noch etwas anderes zu beobachten. Da ist diese unübersehbare Neigung hin zum Secondhand. Vintage.Plötzlich wird das, was einst als pragmatische Lösung galt, zum stilistischen Statement. Ein Ausdruck von Nachhaltigkeitsbestreben, von dem Wunsch nach Individualität, von einem reflektierteren Umgang mit Ressourcen. „The 90s are back bitch!“ könnte man fast als Schlachtruf einer neuen Konsumära bezeichnen. Berlins Secondhand-Handel boomt. In den vergangenen Jahren hat sich die Bewegung, Kleidung gebraucht zu kaufen, auch in den Modetrends der Jugend etabliert und ist kaum mehr wegzudenken. Vintage ist „in“, und die Leidenschaft, Schmuckstücke aus vergangenen Zeiten auf dem Flohmarkt oder im Netz zu ergattern, hat einen Großteil der Berliner Jugend infiziert. Und wer keine Lust auf Flohmarktgänge hat, kein Problem, Vintage Läden gibt es genug! Es hat etwas Anziehendes, durch die sorgfältig geordneten Läden in den charmanten Vierteln der Stadt zu streifen, Geschichten in abgetragenen Stoffen zu entdecken und einzigartige Stücke zu finden, die sich erfrischenderweise, von der uniformen Masseabheben. Dass die Kleidung zuvor schon einmal getragen wurde, ist zweitrangig. Einzigartigkeit steht im Mittelpunkt!

Ja, ist das denn nun tatsächlich ein Ausbruch aus dem allgegenwärtigen Konsumkreislauf? Oder erlebt man hier lediglich einen Wechsel des „Schauplatzes der Begierde“? Kleidung ein zweites Leben zu geben, ist grundsätzlich eine begrüßenswerte Entwicklung, jedoch lassen sich auch hier Tendenzen des Überkonsums beobachten, wenn auch hier gilt: kaufen, kaufen, kaufen.

Auch im Secondhand-Bereich locken ausgewählte Kollektionen und gefragte Stücke,die genau den Nerv der Zeit, aka den Nerv des Insta-Algorithmus, treffen. Die Ähnlichkeit zur Konsumgesellschaft der konventionellen Kleidungsbranche ist unübersehbar.

Die gleichen psychologischen Mechanismen scheinen auf subtile Weise zu bleiben: die ständige Angst, etwas zu verpassen, das unterschwellige Bedürfnis nach dem Besonderen, dem Objekt, das niemand sonst hat.

Und wirtschaftlich? Naja, was einst eine Bewegung von unten war, professionalisiert und kommerzialisiert sich weiter und weiter. Mächtige Online-Plattformen für gebrauchte Mode entstehen, mit Preisgestaltungen, die sich kaum von Neuware unterscheiden. Flohmärkte, überflutet von kommerziellen Ständen, deren Betreiber wahrscheinlich genauso viel soziale Medien konsumieren wie die Jugend unserer Gesellschaft, um eine solche Treffgenauigkeit der Trends auf ihren Tischen zu erzielen. Handelt es sich hierbei noch um eine echte Rebellion gegen den Konsum von Fast Fashion oder um eine ausgeklügelte Strategie, dem Konsumenten auf einem neuen Weg das Geld aus der Tasche zu ziehen?

Es stellt sich die Frage: Ist eine nachhaltige Veränderung des Konsumverhaltens überhaupt möglich, solange die eigentliche Verlockung das permanente „Neue“ ist? Solange Trends schneller entstehen und wieder verschwinden als Fahrräder an Berliner Bahnhöfen? Ist Secondhand die ersehnte Antwort oder lediglich ein weiteres Symptom einer scheinbar unstillbaren Sehnsucht nach… etwas Unbestimmtem?

Vielleicht liegt der eigentliche Wendepunkt nicht in der Art der erworbenen Güter, sondern vielmehr in der Art und Weise, wie wir ihren Wert und unsere Beziehung zu ihnen definieren. Ob fabrikneu oder mit schonmal-in-den-90s-in Charme, vielleicht wäre es heilsam, sich häufiger zu fragen: Erfülle ich damit ein tatsächliches Bedürfnis? Trägt es zu meinem Wohlbefinden bei? Oder ist es lediglich ein weiterer, unbewusster Versuch, eine innere Leere zu bekleiden, die weit tiefer reicht als ein überfüllter Kleiderschrank? Eine Hoffnung auf eine nachfolgende Generation, die Mode weniger als vergängliches Konsumgut, sondern vielmehr als Ausdruck von Individualität und gelebter Geschichte betrachtet, bleibt.

Tja, und so geht die Suche weiter. Nach dem perfekten Kleidungsstück – und vielleicht auch nach einem tieferen Verständnis für die eigenen Motive in dieser schnelllebigen, konsumorientierten Welt.
Denn letztendlich scheint die entscheidende Frage weniger zu lauten, was wir tragen, sondern vielmehr, wer wir sind, während wir es tun.

von Francesca Schneider

Girl’s Day im Bundeskanzleramt: Ein unvergesslicher Tag für unsere Schule

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Was war wohl das Highlight der Merian im April? 

Hier kommt´s: unsere Schule wurde ausgewählt, um am diesjährigen Girls‘ Day im Bundeskanzleramt in Berlin teilzunehmen. Cool oder? Und genau das war es auch für die acht Schülerinnen, die am 03. April 2025 die Chance hatten, hautnah in die Welt der MINT-Berufe einzutauchen und sogar Bundeskanzler Olaf Scholz zu treffen!

Was ist eigentlich der Girls‘ Day?

Der Girls‘ Day ist ein bundesweiter Aktionstag, der Mädchen ab der 5. Klasse die Möglichkeit gibt, Berufe kennenzulernen, in denen Frauen eher unterrepräsentiert sind – vor allem in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT). 

Ziel ist es, Mädchen für diese spannenden Felder zu begeistern und ihnen neue Perspektiven für ihre berufliche Zukunft aufzuzeigen.

Unsere Schule mittendrin 

Dass unsere Schule für diesen besonderen Tag ausgewählt wurde, ist echt der Hammer! Nur drei Berliner Schulen wurden ins Bundeskanzleramt eingeladen und wir waren eine davon 😉

Es zeigt, dass wir als Schule engagiert sind, unseren Schülerinnen alle Türen für ihre Zukunft offenzuhalten und ihnen vielfältige Erfahrungen zu ermöglichen. So eine Chance bekommt man schließlich nicht alle Tage.

Einblicke, der Kanzler und ganz viel Aufregung

Eine unserer Schülerinnen war live dabei und hat uns erzählt, wie ihr Vormittag im Bundeskanzleramt war: „Es gab acht verschiedene Stationen, an denen wir jeweils 20 Minuten Zeit hatten, um uns über unterschiedliche MINT-Berufe zu informieren. Die vierte Runde war dann etwas länger, weil wir uns auf das Gespräch mit Herrn Scholz vorbereiten sollten.“

Nach einer kurzen Pause kam dann das absolute Highlight: Bundeskanzler Olaf Scholz traf ein. Zuerst gab es ein gemeinsames Gruppenfoto – ein unvergessliches Andenken an diesen besonderen Tag. Anschließend begleitete der Bundeskanzler die Mädchen bei einem ca. 25-minütigen Rundgang durch den MINT-Erlebnis-Parcours mit acht Ständen. Jede Station wurde von einer anwesenden Schülerin vorgestellt, während der Bundeskanzler und Marc Reinhardt (Präsident der Initiative D21, einem Netzwerk für die digitale Gesellschaft) aufmerksam zuhörten.

Auch Lena-Sophie Müller, die Geschäftsführerin der Initiative D21, richtete eine Ansprache an die Teilnehmerinnen und betonte die Wichtigkeit des Girls‘ Day. Ein weiterer Höhepunkt war die anschließende Ansprache und die Verleihung des Girls‘ Day-Preises durch den Bundeskanzler selbst.

Unsere Schülerin vom Vormittag war natürlich aufgeregt, aber sie erzählt: „Die Leute dort waren super nett und hilfsbereit. Es hat mega viel Spaß gemacht und alles war total verständlich – einfach perfekt!“ An jedem Stand war ein Mädchen von einer anderen Schule vertreten und hat ca. eine Minute lang über das jeweilige Thema gesprochen.

Mehr als nur MINT: Eine Hausführung und weitere Entdeckungen

Ein weiteres Highlight war die Hausführung, bei der den Mädchen viele interessante Einblicke in die Räumlichkeiten und die Arbeit des Bundeskanzleramts gegeben wurden. „Das war auch total spannend“, schwärmt unsere Schülerin.

Nach den ersten vier Stationen am Vormittag erkundeten die Mädchen am Nachmittag in weiteren vier Runden noch mehr spannende MINT-Felder. Am Ende des Tages hatten alle die Möglichkeit, Feedbackbögen auszufüllen und erhielten kleine Give-aways von den beteiligten Unternehmen als schöne Erinnerung an diesen inspirierenden Tag.

Warum das Ganze so toll ist

Der Girls‘ Day ist eine fantastische Sache, weil er Mädchen die Möglichkeit gibt, Berufe kennenzulernen, an die sie vielleicht vorher nicht gedacht hätten. Er räumt mit Klischees auf und zeigt, wie vielfältig und spannend MINT-Berufe sein können. Die persönliche Begegnung mit Expertinnen und Experten und vielleicht sogar mit einer so wichtigen Person wie dem Bundeskanzler ist natürlich ein unvergessliches Erlebnis und kann eine echte Inspiration für die Zukunft sein.

Unsere Schülerin fasst es perfekt zusammen: „Allgemein fand ich es super gut gemacht und die MINT-Berufe echt Klasse!“

Lasst uns stolz darauf sein, dass unsere Schule beim Girls‘ Day dabei war. Wer weiß, vielleicht inspiriert dieser Tag ja einige von uns, in Zukunft selbst in einem MINT-Beruf durchzustarten!

von Francesca Schneider

Penny Fav’s

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Der Penny-Markt in der Mahldorfer Straße 97e ist schon ein fester, etablierter Bestandteil der Merian Schule. Er versorgt uns mit hochwertiger Backware und wir mit treuen Kundenbesuchen in den Pausen.
Wer könnte schon dieser hochwertigen 5☆ Ware widerstehen.

Ob du zuverlässiger Penny-Geher bist oder nicht, wir haben uns zur Aufgabe gemacht, eure beliebtesten Klassiker zu ermitteln…

An der Umfrage, welche vor dem Penny-Markt sowie in der Schule stattfand, nahmen insgesamt 203 Merianer teil.

Und hier *Trommelwirbel* sind sie, die Penny-Favoriten der Merian:

Die erste Antwort auf die Frage, was man am liebsten bei Penny kaufe, lautete direkt: „Backwaren“. Pluspunkte gibt’s, wenn sie warm sind. Die Umfragewerte sind natürlich deutlich davon geprägt.

Bei manchen war die Antwort ganz klar, bei anderen wurde sehr lang und fachmännisch überlegt, bis die final decision gefällt wurde.
Doch die Laugenstange ist nicht zu schlagen, sozusagen das wahre spirit animal der Merian.

Wie auch immer, vergesst nie den Bro, der euch treu was leiht und die Penny-Exquisiten mit euch teilt!

von Francesca Schneider und Emma Galota

Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz des 13. LK Geschichte

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Angemessen einleitende Worte zu finden, die den grauenhaften Eindrücken vom KZ-Wesen gerecht werden, ist nicht möglich. Aus diesem Grund möchte ich – im Namen aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt ins KZ Auschwitz-Birkenau – vorrangig vom emotionalen Erleben sprechen und sehe von sachlicher Berichterstattung ab.

„Von hier müssen wir noch 20 Minuten zu Fuß laufen“, rief Frau Ambrozynski uns entgegen. Schlagartig wurde die allgemeine Heiterkeit durch bedächtiges und schweigsames Verhalten abgelöst und wir liefen los.

Uns war bereits das KZ Theresienstadt bekannt, welches wir im Rahmen der Prag-Fahrt besichtigten und hatten demzufolge eine dunkle Vorahnung, was uns bevorstand. Frau Ambrozynskis Weisung, dass wir uns alle der historischen und menschlichen Bedeutung des Ortes angemessen kleiden und verhalten sollten, stellte sich als überflüssig heraus. Jeder und jede einzelne legte von selbst eine achtungsvolle Haltung an den Tag.

Den Rundgang traten einige in Kleingruppen an, während manche – wie Sindou und ich – eine Alleinbesichtigung vorzogen. Zuerst passierten wir einen ringsum betonierten Gang mit einigen Kurven, wo uns flüsternde Stimmen einige Namen von ermordeten Häftlingen entgegenriefen. Ich persönlich befand mich inmitten einer Gruppe von Besuchern, die gleichmäßig dem Eingang zustrebte, als mich das unwohle Gefühl beschlich, Teil einer entrechteten, willenlosen Arbeitskolonne zu sein. Am Eingang angekommen, eröffnete sich uns der Blick auf Stacheldrahtzäune, Backsteingebäude und im Vorfeld platzierte Gedenktafeln. Umgehend schwangen die dunkle Vorahnung und das mulmige Bauchgefühl in blankes Entsetzen und tiefe Betroffenheit um. Die Kälte fraß sich plötzlich unerbittlich durch die wärmenden Kleidungsschichten hindurch und fuhr in Mark und Bein. Mit bedächtigem Schritt bewegten wir uns auf das schneebedeckte Barackenlager zu, ohne zu ahnen, dass es sich in unser Gedächtnis als menschliche Todesfabrik einbrennen sollte.

Als ich mir die Gedenktafeln durchlas und meinen Blick durch die Besucherströme gleiten ließ, entdeckt ich Anna mit tränengefüllten Augen und weitere zutiefst berührte Mädchen unserer Gruppe. Ob auch ich angesichts der hier begangenen Grausamkeiten den Tränen nahe sein werde? Mit gemischten Gefühlen gingen wir weiter ins Stammlager Auschwitz.

Einzig der Besuch des Konzentrationslagers vermag nicht die wahre Geschichte über das Vergangene zu vermitteln. Man muss die stummen Zeugen der Zeit – die historischen Objekte und Baulichkeiten – sowie die unbelebten Bilder nutzen, um geistig einen lebhaften Eindruck von den Geschehnissen zu gewinnen. Beispielsweise gilt es, die restaurierten Krematorien und Gaskammern auf der einen Seite und die Bilder von Menschen auf ihrem letzten Marsch auf der anderen so zusammenzusetzen, sodass man sich den genauen Ablauf vorstellen kann.

Dies dient dazu, um einerseits die Gefühlslagen der Betroffenen nachempfinden zu können und andererseits, um sich die Echtheit ins Bewusstsein zu rufen. Es fällt nämlich schwer, sich diese unvorstellbaren Grausamkeiten der KZ-Wachmannschaft und die unerträglichen Leiden der unschuldigen Häftlinge als wahre Begebenheit klarzumachen.

Im Zuge unserer Besichtigung traf jeder auf den berüchtigtsten Ort – Block 11. Die Versetzung in diesen glich einem Todesurteil und bedeutete einen qualvollen Weg des Sterbens. Vor mir verließen einige bekannte Gesichter das besagte Gebäude mit eisenharten Minen, denn sie sahen den Grausamkeitshöhepunkt, obwohl sie nie an eine Steigerung gedacht hätten. Nachdem ich die Gedenktafel studiert hatte, betrat ich Block 11 – wieder mit der oben genannten „Erinnerungs- und Empathie-Mentalität“. Allein die Vorstellung, dass Menschen dort dem Hunger- und Kältetod überlassen wurden oder mit einem großen Folterarsenal körperlich und geistig gebrochen wurden, löste größtmögliches Unbehagen aus. Unsere Gruppe empfand, was in der Nachbesprechung Anton äußerst emotionsgeladen zum Ausdruck brachte: Wie können Besucher nach der Besichtigung völlig unberührt in ausgelassene Gespräche verfallen, als befänden sie sich in einer Tourismusattraktion? Unsere Antwort lautete: Schutzmechanismus zur Verdrängung oder wirkliches (unbegreifbares) Desinteresse.

Unweigerlich drängte sich in das Betroffenheitsgefühl die Überlegung der Schuldfrage ein. Waren unsere Vorfahren aus dieser Zeit Verbrecher gewesen? Hatten sie alle die Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu verantworten? Diese berechtigten Fragen sind pauschal nicht zu beantworten und bergen reichlich Polarisierungspotenzial. Dennoch bin ich der Auffassung, dass Ideologien, die – wie der Nationalsozialismus – ihre Feindbilder entmenschlichen und folglich auch ihren Vollstreckern die Menschlichkeit nehmen, zu grenzenlosen Gräueln antreiben. Diese Vollstrecker sind Täter und bewusste „Wegseher“ tragen indirekte Schuld an dem Holocaust und dem Feldzug gegen das sogenannte „Untermenschentum“.

Umso mehr mahnen die rund 1.1 Millionen Toten von Auschwitz-Birkenau zu mutigem Einsatz gegen Hass und für Völkerverständigung – oder um es in den Worten von Fritz Bauer zu sagen: „Seid Menschen“. Wenn du gerade diesen Bericht liest, dann wirst du vermutlich die hohe Opferzahl von 1.1 Millionen Menschen mit Erstaunen oder Erschrecken vernommen haben. Aber ist dir bewusst, dass jeder und jede Einzelne, von jung bis alt, auf die gleiche Weise wie du Schmerzen, Trauer und Leid empfunden hatte? Wenn man hört, dass jemand unter unmenschlichem Arbeitseinsatz vor Erschöpfung zusammenbricht, dann ist das sicherlich bemitleidenswert, aber fragt man sich nicht, wie man selbst mit diesen Qualen zurechtkommen würde?

Diese tiefgründige Frage wurde in unserer abendlichen Auswertung von jedem mit Nachdenken beantwortet. Insbesondere deshalb, weil alle an der Bildergalerie vorbeikamen, wo einige einst namenslos gemachte Menschen durch bildliche Darstellung ihre Identität wiedererlangten. Dies vermerkte Antonia in ihrem Bericht, in dem sie richtig feststellt, dass „alle Inhaftierten nicht als Mensch mit Name und Identität wahrgenommen wurden, sondern lediglich als Wesen, bei denen eine Kennzeichnung durch eine Nummer reichte.“

Mir fiel auf, dass Frauen ungefähr drei Monate und Männer sechs Monate überlebten, bevor sie auf verschiedene, aber gleichermaßen grausame Weise ihren Tod fanden.

Eine weitaus größere Beachtung verdienen die Kinder von Auschwitz, die Elina mitfühlend in ihrem Bericht erwähnt, da sie kaum zu leben gelernt hatten. Ausgestellt waren Fotos von befreiten Kindern, die teilweise auf den Armen von polnischen DRK-Helferinnen saßen und dem Leben entgegensahen. Leider gab es auch ein Bild von einem großen Bruder, der an der rechten Hand seinen kleinen Bruder und an der linken Hand seine kleine verträumt blickende Schwester führte. Alle waren definitiv unter 12 Jahre alt. Die Bildunterschrift beziehungsweise das Ziel des Weges möchte ich nicht nennen…

Ein weiteres Bild mit traurigem Ausgang zeigt ein kleines, ordentlich gekleidetes ungarisches Mädchen, das bei ihrer Ankunft in Auschwitz ängstlich und unbeteiligt dem wilden Treiben zusieht.

Weit nach dem Anbruch der Dämmerung sammelten wir uns vor dem Birkenau-Komplex, der durch zahlreiche Baracken, Gaskammern und Krematorien geprägt war. Bei beißender Kälte, wildem Schneetreiben und schneidendem Wind, warteten wir auf den Bus, der uns zurückbringen sollte. Zu diesem Zeitpunkt waren wir innerlich tief beeindruckt und gerührt. Dem einen mag die Kälte, dem anderen eine Unterhaltung von den Tageseindrücken abgelenkt haben. Ich stand einsam vor dem Lagertor, als mir auffiel, dass der Komplex nach hinten hinaus von einem weiten Wald umgeben war. Das bedeutet, dass die Inhaftierten von der Freiheit lediglich wenige Meter getrennt waren; leider bestanden diese „wenigen Meter“ aus Stacheldrahtzäunen mit bewaffneten Wachposten und dahinterliegenden Wiesen.

Hierbei kam mir ein interessanter Gedanke in den Sinn: Vor 80 Jahren haben die Häftlinge denselben Mond und dieselben Bäume des Waldes gesehen. Dem einen mag dies als geistiger Überlebensanker gedient haben.

Ich kann nur einige Impressionen mit den verbundenen Gedanken- und Gefühlsgängen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Gedenkstättenfahrt nach Auschwitz-Birkenau detailliert ausführen und weiß, dass jeder und jede andere noch ganz andere Sichtweisen auf das Erlebte beschreiben könnte. Dennoch hoffe ich, dass mein Bericht dem Leser einen nachvollziehbaren Einblick in unsere Reise gegeben hat und ihn ermutigt, selbst diese wertvolle Erfahrung zu machen.

Letztlich danke ich im Namen aller Frau Ambrozynski und Herrn Acker für die Organisation und Betreuung unserer Gedenkstättenfahrt.

„Die Toten mahnen uns.“ – Samuels Appell

i.A. Redaktion Philipp Peter, am 18.01.2025

Die Lesben von Lesbos

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Am 21.03.2025 gab der 13. Jahrgang des Abiturs 2025 sein Abschlussstück. Wohlgemerkt waren einige am selben Tag durch die Nacht zur Schule gepilgert – Respekt dafür! Es darf gesagt sein, dass einige Texte wohl leicht improvisiert wurden – überzeugend nichtsdestotrotz.

Ungewöhnlicherweise war dieses Stück das Werk zweier Schüler des Kurses – Samuel Vetter und Anton Swoboda.

Das selbstgeschriebene Stück wurde vom Publikum mit einer offenen Einstellung empfangen – weniger jedoch von Frau Newerla, die den Kurs die letzten zwei Jahre begleitet hatte. Es sei „ambitioniert und ungewöhnlich“. Wie so vieles scheint auch dieser Schaffensprozess ein steiniger Weg gewesen zu sein – gespickt mit „Motivationsschwächen und unerfüllten Aufgaben“. Doch knapp sechs Wochen vor der Aufführung konnte sich der Kurs zum „Durchstarten“ aufraffen. Typisch Schüler, oder? Auch typisch, dass 30 Minuten vor der Aufführung noch eine neue Szene eingefügt wurde. Was ist Theater, wenn nicht improvisiert?

Es ging also mit einem eigens komponierten Stück von Ilian an der Gitarre los. Dies setzte die Szene für zwei Figuren: den Bauern und den Soldaten. Scheinbar herrscht Knappheit auf dem Feld, doch der Bauer hilft dem verfeindeten Soldaten nach einem kurzen Disput missmutig aus.

Jener wird auch auf oberster Ebene vorgestellt: Inmitten von Inflation, Rezession und Geldmangel bekriegen sich zwei Könige verfeindeter Königreiche um Güter und Politik. Doch schließlich kommen sie zu einem Schluss: einem Bündnis. Nun, wie wurden damals Bündnisse geschaffen? Ganz genau – man verband die beiden Königreiche familiär.

So schließt sich der Kreis: Die nächste Szene zeigt drei Frauen. Die Unterhaltung dreht sich um die Rolle der Frau in der damaligen Gesellschaft. Es fallen Sätze wie: „Ihr werdet lernen, keine Rolle zu spielen“. Doch eine von ihnen hält eine Art Motivationsrede, und alle  drei überzeugen sich gegenseitig: Sie werden für sich einstehen. Sie werden der Unterdrückung Widerstand leisten.

Inmitten dessen scheint sich ein Liebespaar gebildet zu haben – welches, sehr zur Belustigung des Publikums, von männlichen Schauspielern gespielt wird. Die beiden Frauen bezeugen ihre gegenseitige Liebe in weißen Kleidern mit romantischer Musik, während sie Richtung Sonnenuntergang reiten. Die Pferde erinnern an jene, die man aus dem Hobbyhorsing kennt. Anhaltendes Gelächter brach im Publikum aus.

Doch die Belustigung endet nicht hier: Mit übertriebenen Befehlen und Ansagen wie „Sie sind nicht zum Denken auf der Erde“ seitens der Aristokraten wird das Publikum weiter amüsiert.

Doch nun zurück zum Plot: Als sich die Könige zusammensetzen und jeweils ihre Söhne mit den Töchtern verheiraten wollen, tritt ein Problem auf. Wo bleiben die Bräute?

Diese haben sich entschieden, auf die Insel „Lesbos“ zu fliehen – eine Insel frei von männlichen Individuen, wo sich Menschen mit dieser sexuellen Orientierung frei ausleben können.

Als die Könige von dieser Situation erfahren, sind sie außer sich – und wie sollte es anders sein? Es endet in einem handgreiflichen Kampf zwischen den Königen und ihren Untertanen. Inmitten des Kampfes erscheint das Liebespaar, unberührt von der Auseinandersetzung, unnahbar gegenüber dem Getümmel auf dem Acker. Sie stehen unantastbar in der Mitte der Bühne, während um sie herum die Königreiche zusammenbrechen.

Vollendet wird das Stück mit dem Bauern und dem Soldaten. Letzterer möchte erneut einen Korb Rüben kaufen, doch er findet einen am Boden zerstörten Bauern vor. Dieser beklagt das durch den Kampf der Aristokraten verwüstete Feld. Der Soldat beschließt: Er wird dem Bauern helfen. Die wirklich leidenden sind die Armen, diejenigen, die die Politik nicht mitbestimmen können.

Ein recht simples Theaterstück, welches doch viel verbirgt. Ein progressives Theaterstück. Es spielt in einer Zeit, in der solche Thematiken gesellschaftlich keine Rolle spielten – ein wenig wie in der polnischen Netflix-Serie „1670“.
Heutzutage ist es (bis auf Ausnahmen) gesellschaftlich akzeptiert, homosexuell zu sein, und die LGBTQ+-Community erfährt viel positive Aufmerksamkeit.

Das heißt, wenn das Publikum ebenso progressiv wäre, sollten zwei von männlichen Schülern gespielte Frauen keine Belustigung hervorrufen – ist doch normal, oder? Gleiches gilt für ihre gegenseitigen körperlichen Liebesbekundungen. 
Doch im Gegensatz dazu brach das Publikum (und fast die Schauspieler selbst) in Gelächter aus. Man lachte, weil es ein ungewohnter Anblick war, weil man Personen und ihr Verhalten anders (atypischerweise?) zu Gesicht bekam.
Wenn man weiterdenkt, könnte man zu dem Schluss kommen, dass das Stück die noch vorhandene traditionelle Rollenverteilung und Werte des Publikums aufzeigt – denn warum hätte man sonst so reagiert?

Einige Stimmen des Publikums bezeichneten das Stück als „leidenschaftlich und ausgefallen“, „amüsant und inspirierend“ sowie „modern und unkonventionell“.

Ein klassischer Plot mit einem entscheidenden Twist – ein sehr gelungenes und definitiv zum Nachdenken anregendes Stück!

Music for the Masses – 2025

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Am 28.02.2025 fand das Konzert ,,Musik for the Masses’’ statt. Es sollte kein gewöhnliches Konzert sein — Schüler und Lehrer dieser Schule als auch Ehemalige kamen zusammen, um ein generationenübergreifendes Konzert zu geben.

Und – zum ersten Mal (seit 2022) war es den Interpreten möglich, ungebunden an Themen (wie Weihnachtstiteln oder 90s Music) Titel zu performen (sehr zur Freude der Merian-Band).

Nach unpünktlichem Beginn eröffnete der Chor mit dem Stück ,,A Million Dreams’’ das diesjährige Konzert. Das schwedische Volkslied ,,Vem Kan Segla’’ gaben dann der Schüler- und Lehrerchor im Anschluss zum Besten. Die Juniorband folgte im Anschluss mit ,,Nur ein Wort’’; ihre älteren Mentoren (die Lehrerband) gaben ,,Angels’’ und ,,Pack die Badehose ein’’ sowie ,,It ain’t necessarrily so’’ gab der Lehrerchor zum Besten.

Doch dann sollten Ehemalige das Konzert aufmischen. Max Fuchs aus der sog. Senior-Band (Abi 2022) und Max Wegener (Abi 2017) gaben ,,Minor Swing’’ von dem belgischen Gitarristen Django Reinhardt zum Besten — und wurden unter lautem Applaus verabschiedet.

Eine reduzierte Besetzung des Chors präsentierte ,,Love is all around’’ und ,,Birds of a feather’’ bevor der Klavierspieler der Merian-Band Florens Froh seinen eigenen Song ,,Copper and Tin’’ spielte.

Das ruhigere Stück ,,Ain’t no Sunshine’’ schloss sich dem an — wobei der neue Sänger Mustafa aus JG 8 mit seiner rauchigen und vollen Stimme mitsamt der Junior-Band überzeugte.

Nach etwa 45 Minuten gönnte man dem Publikum eine kurze Pause, bevor die zweite Hälfte des Konzertes losging – diesmal mit mehr drums.
Trommeln erschallten im Audimax: Jingo La Ba unter der Leitung von Herrn Wigger und mit Unterstützung vom Schülerchor und Herrn Vogt leiteten den zweiten Teil ein — damit ja keiner einschläft.

Lang erwartet seitens der Merian-Band konnte man sich nun austoben. So ging es (zur Freude des Publikums) mit dem Medley aus ,,Jailhouse Rock’’ zu ,,Blinding Light’’ über ,,Bili Jean’’ zu ,,Chapels’’ los. Das Ende des (gekürzten) Auftrittes der Merian-Band bildete der Friends-Themesong ,,I’ll be there for you’’ los — ja selbst das Publikum ließ sich dazu motivieren mitzusingen.

Doch im Vordergrund des diesjährigen Konzertes stand der Auftritt der ehemaligen Band (Abi 2022), welche ihr außergewöhnliches Talent unter Beweis stellen konnten. Auch in diesem Jahr – wie in allen zuvor – erbrachte insbesondere Maria Kühn eine nahezu makellose Glanzleistung. Beide Stücke wurden am Klavier von Joshua Wehnert, an der Gitarre von Max Fuchs und am Schlagzeug von Elias Redlitz begleitet. ,,Was uns high macht’’ vom Provinz sollte auch ordentlich die Stimmung im Saal heben, doch auch ,,Gravity’’ von John Mayer sollte mit einem Gitarrensolo von Max überzeugen.

Weiter ging es mit Abiturienten Maibritt, Rosalie und Cora aus dem Jahrgang der ehem. Band, welche das ruhigen Stück ,,Vois sur ton chemin’’ zu dritt performten.

Man würde meinen, Maria’s grandioser Auftritt wäre der Highlight des Abends auch für das restliche Publikum gewesen, doch ,,Griechischer Wein’’ von der Lehrerband ließ alle auf den Stühlen schunkeln und lauthals mitsingen.

Den Abschluss bildete Sindou mit seinem Original ,,Tränen Fallen’’ (checkt ihn gerne mal unter Kofi auf Spotify aus).

Zusammenfassend sollte dies ein einmaliges und sehr besonderes Konzert werden, wo alle Generationen – Jung und Alt – zusammen das Audimax erfolgreich unterhielten.

*Bilder folgen!