Krakaufahrt und Besuch des KZ Auschwitz

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Ich fühlte mich wie in einer anderen Welt. Es war kalt, trostlos und sehr seltsam still.

~ erste Whatsapp Nachricht nach Auschwitz Besuch

 

Vom 23. – 25. Februar sind wir, eine Auswahl von Zehntklässlern mit Frau Spiegelhalter und Frau Neumann nach Krakau gefahren um hauptsächlich das KZ Auschwitz und die Stadt zu besichtigen. Geführt wurden wir durch die Fahrt von einem deutsch-polnischen Guide, der uns bereits nach der Ankunft eine kleine Führung durch die Altstadt von Krakau gab.

Am nächsten Tag, 6:50 Uhr saßen wir dann bereits im Bus zum Konzentrationslager Auschwitz.

warnende Denkmäler für zukünftige Generationen

Nach der Ankunft, einem umfangreichem Sicherheitscheck und  der Ausstattung mit Audio-Guides betraten wir das Gelände des KZ Auschwitz. Uns führte eine polnische Frau, die mit klarer, emotionsloser und ruhiger Stimme darauffolgend die dunkelsten Kapitel unseres Landes auf beeindruckende Weise schilderte.

Alles begann sehr nüchtern mit einer kurzen historischen Einführung, aber schon beim durchschreiten des alten Tores mit der berühmten Aufschrift: „Arbeit macht frei“ kribbelte es in meinem Magen.

 

Es ging los. Von Baracke zu Baracke. Vorbei an Schaufenstern gefüllt mit leeren Giftgas Dosen, Brillen, Schuhen, Spielzeug, und Koffern. Viele Gänge waren mit Bildern von Juden tapeziert und Draußen in der klirrenden Kälte, auf dem tot wirkendem Gebiet erwarteten uns Galgen und Todeswänden, an denen Juden schnell erschossen wurden. Auch ein Krematorium mit erhaltenen Öfen konnten wir besichtigen, aber in den Gesichtern der Gruppe konnte ich lesen, dass es schwer zu realisieren war, was dort geschehen ist. Und dann kam das Buch. Nein der „Schrank aus Papier“ mit allen verifizierten Namen von in Auschwitz ermordeten Juden. Als wir diesen Raum betraten krampfte mein Magen und spätestens jetzt hatte die Grausamkeit, die von diesem Ort ausging den letzten von uns erreicht.

 

Nach einer kurzen Pause ging es weiter nach Auschwitz II / Birkenau. Auschwitz II wurde errichtet, weil das erste nicht reichte. Es ist noch größer und die Eisenbahn fuhr direkt in die Anlage hinein, wo die Juden und Staatsfeinde dann über sogenannte Rampen entladen wurden. Wer den Film Schindlers Liste gesehen hat, kennt vermutlich den unnatürlich weiten Blick über ein von Maschendrahtzäunen übersätes Gelände.

Von Auschwitz II ist nicht mehr viel übrig. Die Führung verlief hier demnach größtenteils im Freien. Am Ende der Gleise ist ein Denkmal errichtet, auf dem in mehreren Sprachen die Abscheulichkeit und der Schrecken, der von diesem Ort in die Menschheitsgeschichte einging verewigt wurde.

Deutsches Mahnmal in Auschwitz II

An diesem Ort atmete ich aus und ließ alles auf mich wirken. Die Trostlosigkeit, welche von diesem Ort ausging war beklemmend und man hörte nichts. Es war wahrlich unnatürlich still. Keine Vögel. Keine Autogeräusche in der ferne. Nichts. Irgendetwas, dass von dort ausging fühlte sich an, als wenn es nicht von diesem Planeten stammte und brachte mich in tiefe Gedanken.

Auf der Rückfahrt lief alles noch einmal vor meinem inneren Auge ab und alle waren in der Unterkunft angekommen sichtlich erschöpft.

Am letzten Tag besichtigten wir dann die Stadt Krakau und insbesondere das jüdische Viertel. Diese Führung, durch diverse Synagogen und  vorbei an unterkühlt blickenden orthodoxen Juden brachte mich zusätzlich viel persönlicher an die Thematik heran.

Abschließend kann ich die Krakaufahrt unserer Schule nur weiterempfehlen. Abgesehen von der etwas minderwertigen Unterkunft wurden meine Erwartungen was die Erinnerungskultur anbelangt absolut erfüllt und auch an Freizeit mangelte es nicht. Wer nicht mehr die Möglichkeit hat an der schulischen Fahrt teilzunehmen, dem empfehle ich außerdem das KZ Auschwitz mit Familie, oder im Rahmen einer Jugendfahrt zu besuchen und sich dort auf die Geschichte unseres Landes einzulassen, denn nicht nur unsere Sichtweise wird durch dieses echte und nicht durch Medien und Co. manipulierte Erlebnis geprägt, sondern wahrscheinlich auch unser Handeln und Umgang mit Menschen und Kultur.

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ROE

„unterkühlt blickende katholische Juden“ – ist das nicht eine Contradictio in adiecto?