16, September, 2021
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„Vergesst eure Kindheit nie!“

Eine Rezension zu Erich Kästners Roman „Das fliegende Klassenzimmer“

von Emilia Laurie Brett (Klasse 8.6)

Erich Kästner – ein Name der vielen Kindern und Erwachsen sicher bereits bekannt ist. Er ist bis heute einer der meistgelesenen und beliebtesten deutschen Autoren. Er verfasste einprägsame und einmalige Geschichten, Glossen, Essays, Drehbücher, Romane für Erwachsene und vieles mehr. Von Schriftstellern bis hin zu Publizisten und Kabarett-Dichtern wurde und wird Kästner wahrgenommen und verehrt. Jedoch vor allem als Kinderbuchautor, denn seine Kinderbücher zählen zu den erfolgreichsten überhaupt. Erich Kästners zeitlose Werke, wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“, „Pünktchen und Anton“ sowie sein berühmtestes – und vom Autors selbst am meisten geschätztes – Werk, der Roman „Das fliegende Klassenzimmer“, ließen die Leser über tiefgründige Werte und Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe und Familie nachdenken. 

Erich Kästner begann die Arbeit an seiner „Weihnachtsgeschichte“ mitten im Hochsommer mit Blick auf die Zugspitze und beendete sie in Berlin. Erstmals veröffentlicht wurde das Buch 1933. 

„Das fliegende Klassenzimmer“ spielt während der Winterzeit in einer kleinen Stadt namens Kirchberg. Es handelt von Gymnasiasten – genauer: Tertianern – und Realschülern, die schon seit langer Zeit verfeindet sind. Die jungen Tertianer, Ulli, Johnny, Sebastian, Theodor und Martin, leben zusammen im Internat Kirchberg und unterscheiden sich vor allem durch ihre verschiedenen Charaktere, wodurch sie sich besonders gut ergänzen. Als die Realschüler allerdings einen Gymnasiasten, der die Diktathefte seiner Klasse dabeihat, gefangen nehmen, müssen die Tertianer schnell und gezielt handeln. Mit einer Schneeballschlacht nach erfolglosen Verhandlungen zeigen die Freunde den Realschülern ihren Zusammenhalt und ihre Stärke. Siegreich gehen sie aus dieser Bewährungsprobe hervor. 

Weil die Tertianer aber unerlaubt das Schulgelände verlassen haben, werden sie von ihrem Hauslehrer, Justus, mit einer seltsamen Strafe belegt: einem gemeinsamen Abend bei Kaffee und Kuchen. Justus – auf Deutsch: „der Gerechte“ – erzählt ihnen eine lehrreiche Geschichte von zwei Freunden, die in ihrer Jugend unzertrennlich gewesen seien, sich aber später aus den Augen verloren hätten. Die Tertianer erkennen schnell, dass es sich bei dieser Erzählung um Justus selbst und den „Nichtraucher“, einen Vertrauten der Jungs, handelt. Sie nutzen die Chance und vereinen die zwei Freunde wieder. 

Der Höhepunkt der Geschichte ist allerdings die erfolgreiche Aufführung des titelgebenden Theaterstücks „Das fliegende Klassenzimmer“, das von Johnny geschrieben wurde. Innerhalb der Romanhandlung proben die Gymnasiasten immer wieder für das Stück, denn die Aufführung findet vor den Weihnachtsferien statt und ist eine bedeutsame Veranstaltung für die Schüler, die anschließend in den Ferien nach Hause fahren. 

Selbst Martin – der Wortführer der Tertianer, dem seine Mutter unter Tränen geschrieben hatte, dass sie ihm diesmal das Fahrgeld nicht schicken könne – kann ein besinnliches Weihnachtsfest mit seiner Familie feiern, denn Justus unterstützt ihn, indem er ihm das nötige Fahrgeld spendiert. So haben schließlich alle Beteiligten erholsame und wunderschöne Weihnachtsferien. 

Eine Besonderheit in diesem Werk ist es, dass sich Erich Kästner als eine Figur in seinem eigenen Roman darstellt und so die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion absichtlich verwischt, denn zu Beginn sowie am Ende erzählt er von sich selbst und auch von seiner Begegnung mit einer der Romanfiguren. Kästner nutzt einige Textabschnitte, um seine jungen Leser kluge Ratschläge zu erteilen („Macht euch nichts vor und lasst euch nichts vormachen!“) und bedenkenswerte Lebensweisheiten mitzuteilen.

Aufgrund der leicht verständlichen Sprache ist der Roman recht schnell zu lesen, jedoch werden viele Personen genannt, sodass man ab und an zurückblättern muss, was es andererseits aber auch zu einem anspruchsvollen Werk macht, das die Gedächtnisfähigkeit seiner jungen Leser fordert.

Obwohl sich die erzählte Geschichte ausschließlich um Jungs dreht, kann es auch für Mädchen interessant sein. Zwar ist das Buch in einer politisch angespannten Zeit – der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, von denen Kästners Bücher später öffentlich verbrannt wurden – verfasst worden, allerdings wirkt sich dies überhaupt nicht auf das Werk aus. In Erich Kästners „Fliegendem Klassenzimmer“ stehen vielmehr die Themen Freundschaft und Zusammenhalt an vorderster Stelle, sodass es meiner Meinung nach eher für Schüler der 4.–6. Klassenstufe geeignet ist, denn für die heutige Jugend reicht es möglicherweise nicht an Spannung. Trotzdem kann ich die Lektüre von Kästners Roman uneingeschränkt empfehlen. 

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