14, Juni, 2022
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NATO Ost-Erweiterung

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Während die Kriege im Jemen, in Syrien und Afghanistan kaum noch im Bewusstsein der deutschen Öffentlichkeit sind, besitzt der Ukraine-Krieg für uns eine kaum zu leugnende Brisanz und Relevanz. Da er gleichsam ‚vor unserer eigenen Haustür‘ stattfindet und – abgesehen davon, dass er selbst gut informierte Beobachter überrascht hat – erhebliche wirtschaftliche Konsequenzen zeitigt. Bekanntlich haben nun Kriege nicht nur einen unmittelbaren Anlass oder Provokateur – eine Partei, die die Grenzen überschreitet –, sondern in diachroner Perspektive meist vielfältige Ursachen. So auch der Ukraine-Krieg. In diesem Artikel geht es um eine Ursache – manche meinen: eine vorgeschobene Begründung – des Ukrainekriegs, die NATO-Ost-Erweiterung.

Der historische Bezugspunkt für Russlands Handlungen ist das Ende des Kalten Krieges. Hierbei führte die Auflösung des Warschauer Pakts am 31. März 1991 de facto zur Auflösung des Ostblocks, während der ‚Westblock‘ und die NATO bestehen blieben. Dieses Bündnis nahm ab 1990 weitere Länder auf, wobei der heutige Konflikt maßgeblich durch diese Aufnahme beeinflusst wurde. Denn es wurden auch Staaten östlich der Elbe aufgenommen, was allerdings der zwischen George H.W. Bush und Mikhail Gorbatchev auf dem Malta-Gipfel am 3. Dezember 1989 geschlossenen mündlichen Vereinbarung widerspricht, der zufolge die NATO zusagte, den Rückzug der Sowjetunion in Osteuropa nicht auszunutzen.[1]

So sei Gorbatchev vom US-Außenminister Baker am 9. Februar 1990 versichert worden, dass die Militäreinheit sich ,,nicht einen Zoll in östliche Richtung“ ausdehnen würde. Der US-Botschafter der UdSSR meint, Baker habe beabsichtigt, Gorbatchevs Zustimmung zu einer Aufnahme Deutschlands in die NATO zu gewinnen, da Deutschland im Falle eines Nichteintritts in die NATO sich unabhängig in jede beliebige Richtung ausdehnen sowie Atomwaffen erwerben könne: „[a]ssuming there is no expansion of NATO jurisdiction to the East, not one inch, what would you prefer, a Germany embedded in NATO, or one that can go independently in any direction it chooses[?]”. Zudem sei die Sprache der Vereinbarung eindeutig und unmissverständlich gewesen, wie US-Botschafter Matlock berichtet: “the language […] was absolute, and the entire negotiation was in the framework of a general agreement that there would be no use of force by the Soviets and no ,taking advantage’ by the U.S.”

Des Weiteren wurde die Aussage Bakers, die NATO hätte keinerlei Absicht ihren Verteidigungs- und Sicherheitsbereich in Richtung Osten zu erweitern, wiederholt unterstrichen. Dies sei der Überzeugung der NATO nach  „Teil der Partnerschaft für Stabilität, die wir dem Osten anbieten können, indem wir ganz klar machen: Was auch immer innerhalb des Warschauer Paktes passiert, auf unserer Seite gibt es keinerlei Absicht, unser Verteidigungsgebiet – das Verteidigungsgebiet der Nato – Richtung Osten auszuweiten”.[2] US-Außenminister Baker machte anlässlich der 2+4-Gespräche am 9. und 10. Februar 1990 in Moskau klar:  „[W]ir [Baker und Genscher], [stimmen] voll darin überei[n], dass es keinerlei Absicht gibt, den NATO-Verteidigungs- und Sicherheitsbereich in Richtung Osten zu erweitern“. Dies gelte nicht nur für die DDR[PR1] , wie es oft interpretiert wurde, sondern auch für alle anderen Ostblock-Staaten, wie die NATO bekannt gab: „Das gilt nicht nur für die DDR […], sondern auch für alle anderen östlichen Länder.“

Aus russischer Sicht wird argumentiert, dass die NATO den 2+4-Vertrag, welcher die endgültige innere sowie äußere Souveränität Deutschlands herstellte, durch die Aufnahme von Polen, Tschechien und Ungarn 1999, Estland, Lettland, Litauen, Rumänien, Slowenien und der Slowakei 2004, Kroatien und Albanien 2009 sowie Montenegro 2017 und Nordmazedonien 2020 nicht einhielt. [4] Hierbei ist zu erkennen, dass die Ost-Erweiterung insbesondere 1999 und 2004 stattfand, wobei aus russischer Sicht der Rückzug der Sowjetunion aus Osteuropa ausgenutzt worden sei. Da die ehemaligen Warschauer-Pakt Staaten nun der NATO beitraten, deren Einflussbereich Richtung Osten und somit Russland ausgedehnt worden sei. Somit sei die Auflösung des Ost-Blocks ausgenutzt, da der Westen entgegen seiner Aussagen am 9. Februar 1990 in Washington D.C. handelte. Dies hatte Gorbatchev verhindern wollen. Allerdings argumentieren andere, dass es bei den Gesprächen im Februar 1990 nur um die Ausdehnung der integrierten NATO-Verteidigungsstrukturen nach Osten ging, nicht um eine Erweiterung der NATO-Mitgliedschaft. Auch wurden die Aussagen der NATO im Bezug auf die Osterweiterung später relativiert. Denn man habe es nicht so gemeint und habe der sowjetischen Führung ,über die Hürde‘ helfen wollen, einem wiedervereinigten Deutschland zuzustimmen. Insofern verstoße die NATO-Ost-Erweiterung nicht gegen den 2+4-Vertrag.

https://www.whitehouse.news/2022-03-10-us-confirms-biolabs-ukraine-russian-attack.html

Anhand der Grafik kann man erkennen, dass NATO und USA etliche Militärstützpunkte unmittelbar vor Russland positioniert haben, wie auch Biowaffenlabore der USA in der Ukraine. [5] Dies könnte auf eine Kooperation hindeuten, obwohl die Ukraine derzeit aus formal-rechtlichen Gründen der NATO nicht beitreten kann, da sie sich in einem bewaffneten Grenzkonflikt befindet. Allerdings wurde der beim Gipfeltreffen 2008 in Bukarest projektierte Beitritt der Ukraine bislang nicht konkret in Angriff genommen. [6]

Auf dem Gipfeltreffen [7] wurden allerdings auch generelle Bedenken gegenüber einer fortschreitenden Osterweiterung geäußert. Speziell bezüglich der Ukraine. Beispielsweise mahnten SPD-Fraktionschef Peter Struck und der Vorsitzende des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, Ruprecht Polenz (CDU), vor einem Beitritt der Ukraine, um „einen Streit zu vermeiden“ und „die Sicherheitsinteressen“ Russlands zu berücksichtigen.  [8] Denn die Ukraine sei für Russland wegen des Transports der Ressourcen über u.a. Gas-Pipelines relevant, aber auch aufgrund taktischer Erwägungen von Interesse. Wie eine Korrespondenz zwischen der US-Botschaft in Moskau mit dem US-Außenministerium mit dem Titel “Nyet Means Nyet: Russia’s NATO Enlargement Redlines” vom 1. Februar 2008 belegt. [9] Dieses Dokument zeigt die Kommunikation zwischen US-Botschafter Burns (jetzt stellv. Außenminister) und dem russischen Außenminister Sergei Lavrov. Insbesondere werden Lavrovs ausdrückliche Bedenken gegenüber einer Aufnahme der Ukraine deutlich. Denn eine Ost-Erweiterung, so Lavrov, würde eine zunehmende militärische Bedrohung Russlands seitens der NATO darstellen. Außerdem sei es strategisch äußerst wichtig, keinen Beitritt zu erwägen, da es in der Ukraine zu einer Spaltung mit handgreiflichen Konflikten, eventuell bürgerkriegsähnlichen Zuständen kommen könnte, in denen Russland geneigt wäre, einzugreifen. Erforderlich könnte dies aufgrund der (auch ethnischen) Spaltung der Bevölkerung und möglicherweise der vermehrten Gewalt gegenüber der pro-russischen Minderheit, dies könne zu einer direkten Opposition zwischen Russland und NATO und mittelfristig zu einem neuen Kalten Krieg führen. Damit dies nicht geschehe, habe Russland, das seine nationalen Sicherheitsinteressen untergraben sehe, seine roten Linien gezogen. Aus Sicht Russlands wurden Zusagen missachtet, die nicht nur in Washington D.C. und Moskau 1990, sondern auch in Brüssel am 17. Mai 1990, bei einer Rede von Manfred Wörner, der NATO Generalsekretär gegeben worden seien [10], denn Russland’s Sicherheitsinteressen seien nur solange gewahrt, wie die Korrespondenz, also die erwähnten Zusagen im Mai 1990 in Brüssel und Moskau eingehalten würden. Dem entspricht die Aussage des damaligen NATO-Generalsekretär Wörner: „The fact that we are ready not to place a NATO army outside of German territory gives the Soviet Union a firm security guarantee”. Diese „NATO army” bezieht sich nicht nur auf Truppen, sondern auch auf militärische Präsenz in Form von beispielsweise Militärstützpunkten oder Stützpunkten zur Raketenabwehr, welche nahe Russland stationiert wurden.

Ob diese möglichen Beweggründe legitim sind, kann man diskutieren. Jedenfalls ist Russlands Reaktion, ein Völkerrechtsbruch, unangemessen. Völkerrechtsbruch bleibt Völkerrechtsbruch. Das moralisches Überlegenheitsgefühl oder ,the moral highground‘ des Westens ist indes ebenfalls unangebracht, weshalb ein offenes Auge und eine offene Einstellung auch abseits von Spiegel, Bild und Co. für die aktuelle Situation und Entwicklung durchaus empfehlenswert ist. Da in einer vergleichbaren Situation im Jahr 2003 beim Angriff auf den Irak ebenfalls ein Völkerrechtsbruch stattfand, dies jedoch keine vergleichbare Empörung und mediale Aufmerksamkeit auslöste. Anhand dessen kann man erkennen, dass hierbei mit zweierlei Maß gemessen wird. Nichtsdestotrotz ist Putins Verhalten nicht gerechtfertigt, dies wollen wir in dem Artikel auch nicht behaupten, es geht uns hierbei nur darum, historische Zusammenhänge zu beleuchten.

[1] https://www.globalresearch.ca/western-media-blackout-on-the-atrocities-committed-in-odessa-and-eastern-ukraine/5383168 (19:48 16.3.2022)

[2] https://www.zeit-fragen.ch/archiv/2022/nr-2-25-januar-2022/macht-vor-recht-wie-lange-noch.html (11:43 20.4.2022)

[3] https://www.nachdenkseiten.de/wp-print.php?p=79877 (11:44 20.4.2022)

[4] https://de.wikipedia.org/wiki/NATO-Osterweiterung#Kontroversen (13:13 7.5.2022)

[5] https://www.whitehouse.news/2022-03-10-us-confirms-biolabs-ukraine-russian-attack.html# (12:12 20.4.2022)

[6]https://www.nato.int/cps/en/natolive/official_texts_8443.htm (11:45 20.4.2022)

[7] https://consortiumnews.com/2014/05/15/how-nato-jabs-russia-on-ukraine/ (19:55 16.3.2022)

[8] https://www.tagesspiegel.de/politik/gipfel-in-bukarest-wieviel-osten-vertraegt-die-nato/1203408.html (13:14 7.5.2022)

[9] ] https://wikileaks.org/plusd/cables/08MOSCOW265_a.html (14:50 21.4.2022)

[10] ] https://fabiusmaximus.com/2015/12/03/nato-breaks-deal-with-russia-91618/ (19:56 16.3.2022)

Der Tod des Pazifismus

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Der Pazifismus ist tot, wir haben ihn getötet (bleibt er tot?). In ruhigen Zeiten ist doch fast jeder Pazifist. Wenn Frieden an allen Fronten herrscht, wer ruft dann nach Krieg? So haben wir uns in unseren gemütlichen westlichen Demokratien lange vorgemacht, irgendwie sei doch alles in Ordnung. Die Menschheit ist über die primitive Praxis des Krieges hinausgewachsen, wir haben aus dem zwanzigsten Jahrhundert gelernt und jetzt wird es solche Abscheulichkeiten einfach nicht mehr geben. Ganz zu schweigen davon, dass es nach dem Fall der Sowjetunion (der ja oft als Zeitpunkt genannt wird, an dem die Ära der Kriege endete) schon zahlreiche weitere Kriege im Kosovo, Iran, Irak, Syrien und Afghanistan (und das sind nur die prominentesten Beispiele) gab, ist vor allem die Attitüde der Staaten gleichgeblieben.

 Zwar wurden in den 90ern einige Atomwaffensperrverträge unterzeichnet und der Internationale Gerichtshof erklärte 1996 den Besitz von Atomwaffen sogar als illegal, die Realität sieht jedoch wieder einmal anders aus. Zwar hat sich der weltweite Atomwaffenbestand von seiner Höchstanzahl 1986 (70.300) mittlerweile auf 12.705 reduziert (Der Staat mit den meisten Atomsprengköpfen ist übrigens Russland), jedoch ändert das wenig an der generellen Lage beim Thema weltweite Militarisierung. Denn mittlerweile ersetzen die Großmächte ihre teuren und verstaubten Atomwaffen lieber mit neueren Technologien, wie mit künstlicher Intelligenz betriebene Drohnen oder Raketen mit Hyperschallgeschwindigkeit. Auch ganz allgemein wird fast überall auf der Welt aufgerüstet. Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut bezifferte die weltweiten Verteidigungsausgaben 2009 auf 1,531 Billionen US-Dollar, ein Anstieg von +49% vom Jahr 2000. Aktuellste Schätzungen rechnen mit 2 Billionen USD. Selbst in der Corona-Pandemie hatten die Staaten dieser Erde noch das Geld übrig, um den Verteidigungsetat weiter zu erhöhen.

Lange gab es zumindest eine scheinbare politische Opposition gegen diesen Aufrüstungstrend. Mit den Grünen hat im letzten Jahr eine Partei die Regierungsmacht erlangt, die unter anderem durch das Propagieren eines radikalen Pazifismus überhaupt relevant geworden ist. Doch auch diese Tendenzen sind jetzt völlig verflogen, nicht nur bei den Grünen. Der ganze Bundestag (mit vereinzelten Ausnahmen, hauptsächlich bei der Linkspartei) applaudierte Bundeskanzler Olaf Scholz bei der Bekanntgabe der Erhöhung des Budgets für die Bundeswehr um 100 Milliarden Euro. In dieser Debatte, die schon länger relevant ist, jetzt aber natürlich durch den Ukraine-Krieg allerhöchste Priorität erlangte, wurde vor allem von Seiten der Christdemokraten immer mit der Rhetorik argumentiert: „guckt euch mal die Bundeswehr an, die ist ja so schlecht, da funktioniert nichts, weil alles so unfassbar untersubventioniert ist.“ Tatsache ist aber, dass Deutschland weiterhin Platz 7 weltweit in Sachen jährliche Rüstungsausgaben belegt. Von 2010 bis 2020 ist er um mehr als 10 Milliarden Euro angestiegen. Das Problem der Bundeswehr war nie das fehlende Budget, sondern die Standards beim Thema Modernisierung und Digitalisierung.

Doch zurück zum Thema Pazifismus. Was will ich mit diesen ganzen Statistiken eigentlich aussagen? Das Staaten nicht abrüsten, wenn man sie nicht dazu drängt? Das ist so offensichtlich, darüber hätte ich keinen Artikel schreiben müssen. Was mich wirklich stört, ist, dass im Zuge des Ukraine-Konflikts die Aufrüstungsrhetorik voll und ganz in der Mitte der Gesellschaft angekommen ist. In einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey für die Augsburger Allgemeine begrüßten 74% der Befragten die zusätzlichen 100 Milliarden für die Bundeswehr. Mit Russland haben wir jetzt wieder einen großen feindlichen Aggressor, den es unbedingt zu besiegen gilt. Also ist es doch völlig berechtigt, dass wir jetzt erstmal noch tiefer in die Staatskasse greifen, um noch weiter aufzurüsten, als hätte das irgendwann mal irgendwelche Probleme gelöst. Wenn man diese gesamte Rhetorik, die vor allem von US-Präsident Biden lautstark vertreten wird, mal genauer analysiert, findet man eine verblüffende Argumentationsstruktur vor, die nicht erst seit gestern geäußert wird. Aggressor X fängt einen Krieg gegen Land Z an. Wir werden jetzt überhaupt nicht die Hintergründe dieses Konflikts erwähnen, sondern betrachten ihn als komplett gesonderte Aggression vom restlichen Geschehen. Hier ist die Situation klar. Land X ist der Aggressor und ist ganz allein an allem schuld, deswegen müssen sie besiegt werden, komme was wolle. Danach kehrt alles zur Normalität zurück und wir warten bis zum nächsten Konflikt.

Es geht bei dieser Rhetorik nicht um Frieden oder um Stabilität für die Demokratie, sondern um die Sicherstellung der eigenen Macht. Würde es tatsächlich um die eben genannten Dinge gehen, würden wir nicht bei der ersten Hürde die Diplomatie aus dem Fenster werfen und vielleicht endlich mal einsehen, dass Krieg nicht durch mehr Krieg gestoppt wird.

In the fields, the bodies burning, as the war machine keeps turning” (Black Sabbath – War Pigs)

Zeitzeugengespräch mit Salomon Perel

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Zeitzeugen sind die besten Geschichtenerzähler

Steven Spielberg

Mit Stevens Spielbergs Zitat beginnt Salomon Perel, auch als Sally Perel oder der Hitlerjunge Salomon bekannt, das Zeitzeugen-Gespräch der Klasse 9.4 am 26. Januar 2022. In dem anderthalb-stündigen Vortrag mit der anschließenden und ausgiebig genutzten Möglichkeit, Fragen zu stellen, erzählt Sally Perel Anekdoten seines Lebens: als Jugendlicher in

Die Tatsache, dass ihr auch bereit seit, eine eine Geschichte zu hören, ist für mich ein Beweis, dass ihr euch weigert, geschichtsfrei zu leben.

– Salomon Perel

Braunschweig in der HJ-Akademie, als Dolmetscher in der Wehrmacht sowie der Balanceakts des Lügens, von den traumatischen Erlebnissen in Auschwitz, der Suche nach seinen Eltern, die Wiedervereinigung mit seinem Bruder Jahrzehnte später, als auch die seelischen Spuren, welche bis heute bleiben und tiefe Spaltungen und Konflikte in seinem Geist hinterließen. Vor allem aber betonte der Zeitzeuge die Relevanz des kritischen selbstständigen Denkens, welche den Massen damals gefehlt hätte aber auch heute mangelhaft vorhanden sei, so Perel. Die HJ-Akademie seien vier lange beängstigende und unsichere Jahre gewesen, bei denen Herr Perel auch über 80 Jahre später von vier Ewigkeiten spricht und in welchen er in seiner Erinnerung als kleiner, ängstlicher, hoffender, jüdischer Junge unter dem Mantel des Feindes gelebt hatte. Doch wie kam er als Jude in eine HJ-Akademie? Dies geschah als er infolge der Zerstörung des Geschäftes seiner Eltern im niedersächsischen Peine, seine Heimat 1939, für Polen verließ, nur um dort nach einigen Monaten zu erfahren, dass er ohne seine Eltern mit seinem älterem Bruder David Richtung Osten fliehen muss, da es zu gefährlich für das jüdische Volk wurde und seinen Eltern das Ghetto in Lódz drohte. Er flüchtete Anfang des 2. Weltkriegs nach Minsk, im heutigen Belarus. Dies sei traumatisch und schrecklich, gar höllenähnlich gewesen, denn er habe nur ein Wort dafür: Inferno. Bereits hier begannen die traumatischen Erlebnisse, die ihn bis heute prägen und hier begann die Spaltung seiner Seele, die bis heute andauert, wie er uns erzählt. Doch vor seiner Ankunft in Minsk musste er sich einer rassischen Kontrolle unterziehen und war gezwungen vor dem Offizier im Getöse der Flugzeuge zu entscheiden: Leben oder Tod. Er entschied sich für die Worte seiner Mutter: “Sally, du sollst leben!”, entgegen die Worte seines Vaters: “Sali, unter jeden Umstand, darfst du nicht nachkommen. Bleibe Jude. Bleibe bei Gott und er wird dich immer beschützen”. 

In den Sekunden der Entscheidung über Leben und Tod herrschte in seinem Kopf totales Chaos, wie er uns heute erzählt. Doch der Lärm gab ihm wichtige Sekunden, in denen er entschied, Josef Perjell zu heißen, nicht

In diesem Sekunden, in meinem Kopf herrschte totales Chaos. Meine Gedanken rasten […] du sollst leben. Die Angst führte eine wunderbare Stimme, die gar keinen Zweifel hinterließ: Ich bin Volksdeutscher, ich bin kein Jude.

– Sally Perel

Salomon Perel, wie er dem Offizier zuerst geantwortet hatte, was aber im Lärm unterging. So antwortete er mit fester Stimme und mit einer Sicherheit und Überzeugung, von der er heute nicht weiß, woher er sie hatte, der Frage des Offiziers: “Josef Perjell. Ich bin Volksdeutscher. Ich bin kein Jude”. Der Offizier akzeptierte das und kontrollierte diese Aussage nicht, womit er Salomon wohl das das Leben rettete. Doch die folgenden Jahre in der Akademie wurden von der ständigen Angst und Verzweiflung, entdeckt und hingerichtet zu werden, überschattet. Obwohl es doch auch schöne Momente seines Lebens waren, durfte er mit seinen Lügen kein Mistrauen erwecken und musste sich ständig trotz seiner schrecklichen Vorstellungen des Entdeckens und Vollstreckens seinen Mut geben. Aber in solchen Momenten tiefster Verzweiflung, so Perel, habe er nie aufgegeben, nie die Hoffnung verloren, er habe auch nie an Selbstmord gedacht. „Denn sie würden mich nicht entdecken, sollten sie dies tun, vertröstete ich mich, indem ich mir sage, dass sie mich nicht hinrichten würden“, erzählt Perel in unserem Gespräch. Diese Hoffnung und dieser Optimismus trotz der permanent hohen Gefahr des Todes entsprang von diesem Gedanken: “Man will ja nicht sterben, ohne vorher gelebt zu haben”. Während der ständigen Umgebung mit den nationalsozialistischen Ideen in der HJ-Akademie Braunschweig begann Perel diese Ideen zu unterstützen und sich sogar damit zu identifizieren, die Ideologie später sogar lehrte, wie er zugab. Er stellte auch fest, dass es schöne Momente gab, wie die sportlichen und gemeinschaftlichen Aktivitäten sowie, dass er nette Menschen kennenlernte. In der HJ Zeit begann sein seelischer Konflikt durch seine Identifizierung mit dem NS, weshalb er teils vergaß, dass er nicht Josef Perjell sondern Salomon Perel hieß, dass er eigentlich Jude war und dass er seiner selbst eigentlich hassen müsste, da er sich mit der NS-Ideologie identifizierte. Doch letzteres geschah nicht. Er erkannte allerdings, dass sich unter den prächtigen, schwarzen Uniformen mit den Hakenkreuzen normale Menschen mit Familie, Haustieren und Verwandten befanden, welche jedoch zu unsäglichen Verbrechen fähig waren, welche aus der Zugehörigkeit zu einer Masse resultieren würden. Denn „in der Masse gäbe es kein kritisches und selbstständiges Denken mehr“, wie er anmerkt. Durch den künstlichen Feind, den Juden, sei das Volk zum Krieg aufgehetzt worden. Diese seien vielfach im KZ-Auschwitz ermordet worden, was er mit eigenen Augen sah, weshalb er die Schreie der zu Asche verbrannten Kinder immer noch höre. Sie seien mit dem Alter immer deutlicher zu hören. Es lässt ihn heute schließen: “Auschwitz ist die Todesfabrik der Nazis. Dieser Schandfleck der deutschen Geschichte wurde zum Symbol der schlimmsten Tragödie der Menschheit. Wir werden Auschwitz nie loswerden, […] Auschwitz kann man nicht wie Staub vom Mantel abschütteln, es ist zu tief im Gewebe. Wenn jemand sich vorstellen möchte, was [Apokalypse] bedeutet, was [Weltuntergang] bedeutet, [der] soll sich Auschwitz vor Augen halten.” Während der Akademie-Zeit und des Krieges erlebte er weitere traumatische Erlebnisse, wie die tägliche Fahrt in einer Straßenbahn, welche mit Stacheldraht umzäunt war, durch das Ghetto in Lódz. Er hätte einmal vermeintlich seine Mutter gesehen, jedoch ist das ungewiss, schildert er. Doch was hätte er tun können, ohne die Worte seiner Eltern zu brechen und sich zu verraten? Nach Kriegsende und der Akademiezeit wollte er nach Lódz fahren, um seine Eltern zu suchen, doch es war schon in den Händen der Sowjetunion. Ihm wurde angeboten, als Dolmetscher in einer sowjetischen Besatzungsbehörde in der Roten Armee zu arbeiten, was er annahm, in der Hoffnung nach Lódz zu gelangen.

Wenn jemand sich vorstellen möchte, was [Apokalypse] bedeutet, was [Weltuntergang] bedeutet, [der] soll sich Auschwitz vor Augen halten

Sally Perel

Erst etwas später erfuhr er von Überlebenden aus Lódz, dass seine Eltern beide in dem Ghetto umgekommen waren. Nachdem er sich entschied, den Posten als Dolmetscher zu verlassen, erfuhr er, dass seine Brüder David und Isaac beide noch leben, sodass er Isaac und seine Frau Mira besuchte, wo er erfährt, dass seine Eltern zu dem Zeitpunkt, als er durch das Ghetto fuhr, noch lebten. Dies rief erneut tiefe Gewissenskonflikte in ihm auf, denn er hatte seine Mutter vermutlich gesehen, aber nichts getan. Trotz der Verzweiflung und Trauer über die Tatsache, dass er sich nicht die Mühe gemacht hatte, seine Eltern möglicherweise ein letztes Mal zu sehen, sagt Perel uns heute, dass es „die richtige Entscheidung“ war, da er noch lebe. Es war auch richtig, trotz der sich dadurch vertiefenden Spaltung, sich seinen Eltern nicht im Ghetto zu kenntlich machten. Heute kann er sagen, dass die Sozialisierung in der HJ zwei Persönlichkeiten in ihm geformt hat.

Lügen ist manchmal eine sehr effektive Waffe. Eigentlich ist Lügen unmoralisch aber wenn dein Leben in Gefahr ist [und] wenn die Wahrheit dich töten will: Lüge!

Salomon Perel

Eine, die von den Ideen des Nationalsozialismus überzeugt ist. Die Andere ist sich seiner ursprünglichen Identität bewusst und hält die nationalsozialistischen Ideen für abwegig und falsch, klärt deswegen über diese Zeit auf. Beide Persönlichkeiten, seine zwei Teile der Seele, so Perel, stünden permanent im Konflikt miteinander. Doch damit so etwas nicht der heutigen Jugend geschieht, dürfe diese sich nicht schuldig machen. Denn sie sei keineswegs am Geschehen während der Nationalsozialismus schuldig, könne sich aber schuldig machen. Damit dies nicht passiert, solle die Jugend kritisch denken und alles hinter fragen und nicht den falschen Ideen verfallen, appelliert Perel. Doch so etwas passiere wieder und er hätte mit uns gesprochen, um “euren Verstand mit der vollen Wahrheit zu beleuchten […] und ich beauftrage euch, nicht der neuen Propaganda zu verfallen“.

Fragen und Antworten

Anschließend gab es eine Möglichkeit, Fragen zu stellen, welche hier mit den Antworten aufgeführt werden. Wir möchten uns bei Herrn Perel bedanken, der uns die einzigartige Möglichkeit gab mit einem Zeitzeugen zu sprechen, sowie bei Frau Spiegelhalter wegen der Organisation über dem Kinderring als auch den Moderatoren Sofia Sanfillipo, Anouche Siodlaczek und Greta Gerson. 

Hätten Sie mit ihrem Wissen auf der Flucht anders gehandelt? Die Tatsache, dass ich überlebte ist der Beweis, dass ich alles richtig getan habe. Ich glaube ich aber, ich habe alles richtig gehandelt, aber ich lebte natürlich in einer Lüge. Aber wie ich vorher schon sagte, um Leben zu retten darf man lügen. Ich bereue auch nichts. Ich habe alles richtig getan, weil ich überlebt habe. Das war mein persönlicher Kampf gegen die Nazi-Vernichtungs-Maschinerie.

Wie definieren Sie sich heute? Ich bin ein freidenkender Israeli. Israel sehe ich als mein neues Vaterland und Deutschland als mein Mutterland. Wenn ich schon auch bei dieser Gelegenheit meine politische Ansicht erzählen darf, in Israel bin ich Mitglied der Friedensbewegung für eine gerechte Lösung des blutigen Palästinenserkonfliktes, denn nur eine gerechte Lösung ist eine dauerhafte. Und was ist nun die echte dauerhafte Lösung? Israel muss auf ihre Besatzungsideologie verzichten, alle Siedlungen, also alle besetzten Gebiete räumen und erlauben einen selbständigen Palästinenserstaates mit der Hauptstadt Ostjerusalem entstehen zu lassen, nur diese Lösung wird uns zum echten Frieden bringen, alles andere, was unsere Regierung unternehmen, ist Kosmetik.

Sie haben ja erzählt, dass Sie sich mit dem NS identifiziert haben. Inwiefern und wieso? Denken Sie heute noch genau so? Ja ich lebe weiterhin ein Doppelleben. Ich bin dauerhaft in einem Dialog oder Streit, je nachdem, mit Jupp. Manchmal hat er die Oberhand aber meistens der heutige Israeli in mir. Aber er ist noch lebhaft in mir vorhanden, so wie ich sagte, ich führe weiterhin ein Doppelleben. Ich bin nicht derselbe Sally welcher er war als ich meine Eltern verlassen musste. 

Wie fühlten Sie sich als Jude in der HJ ausgebildet zu werden?Ich fühlte mich nicht wohl, aber gewisse Verteidigungsmechanismen haben mich dazu gebracht, zu vergessen, dass ich Jude bin. Sonst hätte ich irgendeinen Fehler gemacht, nur so habe ich überlebt. Natürlich habe ich nicht auf Kosten anderer überlebt, ich habe nie jemanden erschossen. Sodass ich mit voller Moral darüber reden darf. Ich fühle mich nicht als Verräter an mein Volk. Ich schätz jeder von meinem Volk, bis auf wenige Ausnahmen, ist bereit mir mit Verständnis entgegenzukommen. 

Was war das Erste, was Sie machen wollten, nachdem Sie frei waren? Ich wollte nach Lódz fahren, um zu erfahren, ob meine Eltern überlebt haben. Aber damals ging es nicht, das war schon in russischen Händen, dann wurde mir angeboten Dolmetscher bei der russischen Besatzungsbehörde zu sein. Klar habe ich zugestimmt. So wurde ich Dolmetscher bei der Roten Armee. Aber ich habe erfahren, wie meine Eltern umgekommen sind, von Menschen, die das Ghetto Lódz überlebt haben. Mein Vater ist aus Hunger gestorben und meine Mutter wurde auf eine sehr tragische Weise getötet, als der Befehl war, das Ghetto Lódz zu liquidieren, kam aus Hamburg die Polizei mit einer Kolonne von Lastwagen, die abgedichtet sind, und die Opfer die noch im Ghetto lebten, wurden dort eingepfercht und die Abgase von dem Auto gingen nach innen, sodass die Menschen erstickten und in ein Massengrab geworfen. Ich frage mich öfters, woran meine Mutter dachte, als sie beim Ersticken war. Bestimmt hat sie auch gesagt, Sally du sollst leben. Aber das habe ich erst nach dem Krieg erfahren.

Haben Sie noch Kontakt zu Personen aus der HJ? Ja, ich hatte jahrelang gute Kontakte mit den Jungs aus der HJ. Auch mit dem Soldaten, der mich fragte, ob ich Jude sei. Sie sind schon fast alle gestorben. Ich bin glaube ich der Letzte aus der HJ. Als ich noch in Deutschland war, haben wir uns immer getroffen. Mir sagte mal einer: „Aber Jupp, wir waren doch solch gute Freunde, warum hast du mir nicht gesagt dass du Jude bist? Da hätte ich dir doch geholfen“. Ich sagte aber: „Wir waren keine Freunde, es war zwischen uns keine echt Freundschaft“. Denn was bedeutet eine echte Freundschaft? Du hast Freunde, um der Person deine geheimsten Geheimnisse zu offenbaren. Ohne Angst zu haben, was man sogar den Eltern nicht erzählt. Aber dann fragt man sich, kann ich dir wirklich die Wahrheit sagen, wo du jahrelang zusammen gegen mich aufgehetzt wurdest? Wir waren keine Freunde oder Kameraden, wir waren maximal Schicksalskameraden. Aber heute, sagte ich, könne wir Freunde werden. Würde jeder Mensch aus seinen Feinden Freunde machen, würde die Welt besser aussehen.

Haben Sie immer noch Albträume? Ja natürlich, seit damals, träume ich sehr oft davon in der Straßenbahn durch Ghetto zu fahren und will meine Mutter sehen. Dieser Traum verfolgt mich sehr oft. Aber ich hatte auch schöne Erlebnisse, die muss man auch erzählen, meine erste Jugendliebe. 

Können Sie Parallelen zwischen damals und heute erkennen? Ja, leider gibt es in der Gegenwart leider wieder Menschen, diedasselbe denken, wie damals. Jeder Mensch hat ein Recht auf seinenGlauben und er muss als solcher auch in die Gesellschaftaufgenommen werden. Mensch gleich Mensch, dass ist die beste Antwort.

Rot-Rot-Grün – zwischen Klimarettung und Ökosozialismus

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Der September ist angebrochen und es sind nicht einmal mehr zwei Wochen bis zur Bundestagswahl. Seit einiger Zeit ist die SPD in den Umfragen stärkste Kraft (eine von INSA geführte Umfrage vom 10.09. führt die Sozialdemokraten auf Platz Eins mit 26%, dahinter Union mit 20%, Grüne mit nur 15%) und auch die Beliebtheitswerte von Kanzlerkandidat Olaf Scholz sind hoch. Diese mit Hinblick auf die letzten Wahlergebnisse der SPD (20,5% bei der Bundestagswahl 2017, 15,8% bei der Europawahl 2019) überraschende Entwicklung läutet die heiße Phase des Wahlkampfs ein. Deswegen rücken auch Fragen nach möglichen Regierungskoalitionen in den Vordergrund. Schon im April äußerten sich parteiinterne Größen der SPD wie der Parteivorsitzende Frank Walter-Borjans negativ gegenüber einer erneuten Zusammenarbeit mit der CDU. Auch das Parteiprogramm ist ein Versuch einer Kursänderung. Stramm nach Links und vor allem weit weg vom Status GroKo (no pun intended). Eine neue Regierung unter neuer Führung scheint absehbar, vor allem, weil die Fauxpas und die daraus resultierenden Umfragewerte von CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet Wählerinnen und Wählern der Christdemokraten keine Hoffnung machen sollten und klar aufzeigen, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung einen politischen Richtungswechsel anstrebt. Wie könnte also eine sozialdemokratisch-geführte Regierung aussehen?

Wer, mit wem?

Fakt ist, eine Zweierkoalition, egal in welcher Konstellation, scheint sehr unwahrscheinlich. Das mit dem Umfragetief der CDU ebenfalls einhergehende Umfragetief der Grünen macht vor allem die Unbeliebtheit der jeweiligen Kandidatinnen bzw. Kandidaten auf das Kanzleramt evident. Auch die starken Umfragewerte der FDP (zuletzt bei um die 13%) führen zu einer immer gleichwerdenden Verteilung der Stimmen unter den stärksten Parteien. Wenn die SPD also nicht mit der CDU will, brauch sie zwei andere Parteien zur Regierungsbildung. Die erste Kandidatin liegt auf der Hand. Die Grünen mit ihrem holprigen Wahlkampf haben dank der SPD weiterhin gute Chancen auf eine Regierungsbeteiligung. Ein Rot-Grüner Flirt bahnt sich an. Robert Habeck sprach sich gegenüber der Welt für eine Koalition mit der SPD aus, die ihnen „auf dem Papier“ in sozialpolitischen Themen zum Beispiel näherstünde als die CDU. Die Grünen greifen nach politischer Macht, die ihnen wahrscheinlich nur die SPD geben kann. Eine zweite Partei wäre also gefunden, aber wer kommt als Nummer Drei in Frage? Die CDU (wie schon geklärt) nicht, die verhassten Rechten von der AfD schon gar nicht. Bleiben also noch Linkspartei und Liberale. Eine sogenannte Ampelkoalition (also SPD, Grüne, FDP) lässt Erinnerungen (die ich nicht habe) aus Schmidt- und Brandtzeiten wieder hochkommen, wäre jedoch dank der angedeuteten Anti-Steuererhöhungs- und Anti-Staatsvergrößerungspolitik der FDP sicherlich schwierig umsetzbar. Außerdem hat Christian Lindner in jüngster Vergangenheit mehrmals betont, er gehe davon aus, dass die CDU Regierungsführer werden wird (anscheinend liest er keine Umfragen). Vor allem in Hinblick auf Vorschläge der Grünen wie einem Klimaministerium mit Vetorecht scheint die Ampel alles andere als ein „match made in heaven“. Ich glaube, die Linkspartei passt deutlich besser zu Rot-Grün und ich glaube auch, sie passt den Parteien besser. Warum Rot-Rot-Grün nicht nur passend, sondern auch wahrscheinlich ist und welche Implikationen so eine Koalition für die politische Zukunft Deutschlands hätte, möchte ich einmal lang und breit (und natürlich aus meiner Sichtweise) erläutern.

Die Linken und das Klima

Ganz trocken betrachtet ist die jetzige Situation innerhalb der Linkspartei alles andere als rosig. In den Umfragen schrammt man an der Fünf-Prozent-Hürde, die Stimmung ist alles andere als entspannt, vor allem dank Sahra Wagenknecht und ihrer vehementen Kritik am eigenen Parteikurs. Außerdem hagelt es in letzter Zeit Kritik im Zuge der Situation in Afghanistan, weil sich die Linksfraktion im Bundestag bei der Entscheidung, weitere Ortskräfte zu retten, enthalten hatte. Trotzdem stehen die Chancen auf eine Regierungsbeteiligung gut, aus zwei einfachen Gründen. Erstens, weil die Linken radikal beim Klimaschutz auftreten. Der klimapolitische Kurs geht ganz klar Richtung Ordnungspolitik und staatlicher Lenkung. Die Enteignung von Energiekonzernen, das Verbot von Neuzulassungen für Verbrennungsmotoren ab 2030 und die Einführung einer Vermögenssteuer zur Finanzierung dieser Klimapolitik sind nur einige Beispiele aus einem Klimaschutzprogramm, welches von der Partei unter anderem mit den Worten „Klare Regeln und Vorgaben für radikalen Klimaschutz“ beschrieben wird. Diese Radikalität erweckt den Anschein, man würde Klimaschutz um jeden Preis anstreben und das ist genau das, was vor allem junge Wählerinnen und Wähler interessiert und anzieht. Diese Radikalität beim Klimaschutz übt gekonnt Druck auf SPD und Grüne aus. Wenn sie sich für eine Koalition mit der FDP entscheiden würden, würde das auf viele Anhängerinnen und Anhänger so wirken, als meine man es nicht so ernst mit dem Klima. Dieser Druck spielt den Linken in die Karten. Dann wäre da noch der Fakt, dass die Linken die Parteibasis der SPD anspricht. Dass die Sozialdemokraten in den letzten Jahrzehnten immer näher an die CDU herangerückt sind, ist kein Geheimnis. Rufe nach einem Umschwung zurück zu einem offen demokratisch-sozialistischen Kurs werden schon länger immer lauter, jetzt steht die SPD vor einer großen Entscheidung. Man kann die Zügel endlich wieder selbst in die Hand nehmen und so auch den Kurs einer Regierung maßgeblich mitbestimmen, anstatt immer nur zweite Geige zu spielen. Ein Bündnis mit der Linkspartei würde die SPD wieder richtig links machen und genau deswegen glaube ich auch, macht das Rot-Rot-Grün so wahrscheinlich. Es wäre die Entfesselung der linken (bzw. eher linkeren) Parteien, die nicht mehr von Konservativen und Liberalen in ihrem wirtschaftlichen Kurs verhindert werden würden. Zugegeben, diese Formulierungen sind ein wenig überschwänglich, ein Linksruck innerhalb der Parteien und in der deutschen Politik generell ist jedoch absehbar, sollte es denn zu Rot-Rot-Grün kommen. Aber würde eine solche Regierung denn auch die gewünschten Ergebnisse erzielen? Es folgt ein kritischer Blick auf die wirtschafts- und klimapolitische Ideologie von Rot-Rot-Grün.

Kritikpunkt 1: staatlicher Dirigismus beim Klimaschutz

Wie schon erwähnt setzen die Linken in ihrem Wahlprogramm auf eine radikale Herangehensweise beim Klimaschutz. Der Staat soll die Zügel in die Hand nehmen, die Ziele sollen vor allem durch Vorschriften und Regulierungen erreicht werden. Zugegeben, so etwas von den Linken zu hören ist weniger überraschend, was jedoch so manch einen überraschen könnte, ist, dass SPD und vor allem Grüne der Linkspartei zumindest bei der Bewertung der Rolle des Staates beim Klimaschutz schon recht nahestehen. Genau wie die Linken wollen die Grünen durch die Vorgabe von Grenzwerten und strengen ökologischen Standards, wie unter anderem einer CO2-Bremse für alle Gesetze ihre Klimaschutzpolitik durchführen. Unterschiede zur Linkspartei sind auch einige anreizorientierte Maßnahmen wie zum Beispiel das Energiegeld, vor allem aber ist zu merken, dass die Grünen deutlich schwammiger in ihren Ausführungen bleiben. Sie fordern wenig direkte ordnungspolitische Maßnahmen, spielen aber indirekt auf sie an (zum Beispiel wollen die Grünen bei Energie- und Mobilitätswende verstärkt auf den Ausbau der staatlichen Infrastruktur setzen, was offensichtlich eines großen Budgets benötigt, erwähnen aber nicht explizit, wo die monetären Ressourcen dafür herkommen sollen). Was die SPD betrifft, wollen auch sie vor allem auf öffentliche Investitionen setzen (wieder, ein Ziel, was zwangsläufig den Ausbau der staatlichen Kompetenzen benötigt). Hier ist es tatsächlich eine ähnliche Leier, wie bei den Grünen. Viel Wunschdenken, viel Zielsetzung, im Vergleich dazu wenig Umsetzungsvorschläge. Sicher ist aber, und es ist bei Grünen und Linken nicht anders, der CO2-Preis soll steigen. Es spiegelt sich ein Bild bei allen drei Parteien wider. Die zentralen Säulen der Klimaschutzpolitik, zum Beispiel Energie- und Mobilitätswende sollen durch staatliches Eingreifen und Investieren durchgeführt werden. Unternehmen werden reguliert, es werden ihnen neue, schärfere Standards vorgeschrieben und generell soll es mehr Vorschriften und Verbote geben (ein Beispiel, bei dem sich alle einig sind, ist das Verbot von Autos mit fossilen Verbrennungsmotoren). Das große Problem einer solchen Klimapolitik ist, dass sie Gefahr läuft wirtschaftlich unattraktiv und sozial ungerecht zu werden. Wirtschaftlich unattraktiv, weil Unternehmen, ob klein oder groß, eine erheblichere Last an Bürokratie zu tragen haben. Wenn man mehr auf Regulierungen und Standards achten muss, verlangsamt das den Prozess der eigenen Produktion. Das mag nicht in allen Bereichen schlecht sein, wenn wir doch aber einen erheblichen Fortschritt in Technologie und nachhaltiger Produktion benötigen, kann Bürokratie dem im Weg stehen. Wenn ich eine bahnbrechende Erfindung auf den Markt bringen will, mir aber noch Gedanken darum machen muss, dass ich in Produktion, Vermarktung und Verschaffung alle Umweltauflagen einhalte, habe ich einfach deutlich weniger Zeit, mich mit der eigentlichen Erfindung zu beschäftigen. Das ist dann auch sozial ungerecht, da das Anpassen an Vorschriften Zeit und Geld benötigt. Und davon habe ich deutlich weniger, wenn ich mit nur wenigen Mitarbeitenden ein kleines Unternehmen führe. Natürlich kann man jetzt aus den Wahlprogrammen nicht ganz genau herauslesen, was die Parteien in den nächsten Jahren explizit in jedem Bereich an Klimaschutzmaßnahmen durchführen werden, es lässt sich aber ein gewisser Kurs erkennen. Und dieser Kurs, ein staatlich-dirigistischer Kurs, läuft meiner Meinung nach Gefahr, nach hinten loszugehen. Mit diesem Satz leite ich zu meinem zweiten Kritikpunkt über.

Kritikpunkt 2: linke Wirtschaftspolitik

Wirtschaftspolitik steht natürlich in direkter Relation zu Klimapolitik, deswegen lesen sich die wirtschaftspolitischen Forderungen der Parteien ganz ähnlich. Den Vorschlag der Linken „Den neoliberalen Kapitalismus, der von Deregulierung, Privatisierung und Sozialabbau gekennzeichnet ist“ zu überwinden, teilt keiner der anderen beiden Parteien, zumindest nicht offiziell. Trotzdem finden sich im Bereich Wirtschaft zwischen allen drei Parteien weitreichende Überschneidungspunkte. Zum Beispiel beim Thema Vermögenssteuer. Die wollen alle drei Parteien in irgendeiner Form einführen. Vor allem Unternehmen und Wohlhabende sollen besteuert werden, durch zum Beispiel eine Erhöhung der CO2-Steuer soll aber auch die Gesellschaft als Ganzes in die Verantwortung zur Emissionsreduzierung genommen werden. Ziel der Wirtschaftspolitik ist für alle drei Parteien „soziale und ökologische Gerechtigkeit“. Es gibt aber auch Unterschiede. Während die Linken sich offen zum demokratischen Sozialismus bekennen, planen die Grünen der Marktwirtschaft „einen sozial-ökologischen Rahmen“ zu geben. Die SPD ist da nicht so klar, jedoch wollen sie ihre Wirtschaftspolitik „gemeinwohlorientiert“ ausrichten. Wie diese Pläne in der Umsetzung aussehen würden, ist natürlich eine andere Frage, man kann aber davon ausgehen, dass ein Rot-Rot-Grünes Bündnis eine erhebliche Vergrößerung des staatlichen Einflusses auf die Wirtschaft mit sich bringen würde. Den „Ökokommunismus“, den die Union in diesen Tagen prophezeit, würde es sicherlich nicht geben, aber eine wirtschaftliche Linksverschiebung sicherlich. Dieser Kurs ist sehr optimistisch, zu optimistisch vielleicht. Denn wenn man Energie- und Mobilitätswende größtenteils staatlich und in weniger als zehn Jahren durchführen will, brauch man dafür erhebliche monetäre Ressourcen. Rot-Rot Grün will diese Ressourcen durch mehr Steuern und Abgaben einholen. Wenn man aber starke Regulierungen und Vorschriften für Unternehmen einführt, führt das ab einem bestimmten Punkt zu einer erheblichen Schwächung des Wirtschaftswachstums. Das führt dann dazu, dass der Staat weniger einnimmt, denn Staatseinnahmen hängen davon ab, wie viel erwirtschaftet und dann anschließend versteuert wird. Dann läuft man Gefahr, in eine Abwärtsspirale zu geraten. Denn einer Volkswirtschaft, die mehr umverteilt, als sie produziert, geht früher oder später das Geld aus (ganz abgesehen davon, ob wirtschaftliche Leistungsträger und „die Reichen“, deren Vermögen man ja stark besteuern will, bei einer solchen Wirtschaftspolitik überhaupt im Land bleiben würden). Selbst wenn Deutschland es trotzdem schaffen würde, schnell klimaneutral zu werden, dies aber auf Kosten des wirtschaftlichen Wachstums geschieht, würde das Global nicht viel bringen. Denn ein klimaneutrales Land mit einer schwächelnden Wirtschaft nimmt sich sicherlich keine Industrienation (und die Industrienationen sind nun mal die Treiber des Klimawandels) als Vorbild.

Natürlich kann niemand hellsehen. Niemand kann mit Sicherheit sagen, ob Rot-Rot Grün überhaupt passieren wird und wie das Handeln dieser Regierung dann aussieht. Meine Ästimation ist nichts mehr als eine Voraussage, basierend auf Umfragen, Parteiprogrammen und meiner eigenen Einschätzung. Ich halte es trotzdem für fraglich, wie man den Klimawandel, die größte Menschheitsaufgabe des 21. Jahrhunderts, mit staatlicher Lenkung, Steuer- und Verbotspolitik und einem damit verbundenen noch weiterwachsenden Berg an Bürokratie lösen und gleichzeitig für soziale Gerechtigkeit und Wohlstand sorgen möchte.

U-18 Wahl und Podiumsdiskussion

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Am 17. September wird in diesem Jahr, entsprechend der Bundestagswahl, eine U-18 Wahl an unserer Schule durchgeführt.
Diese wird vom Leistungskurs Politik des 13. Jahrgangs unter der Leitung von Herrn Schöneburg und dem Politics (bilingual) Kurs 13 von Frau Barth-Reisenberger organisiert. In diesem Rahmen wurde von den gleichen Organisatoren kürzlich eine Podiumsdiskussion im Audimax gehalten. Die Redaktion von Der Merianer begleitet das Projekt und wird sich in den nächsten Wochen deshalb auf die bevorstehenden Wahlen fokussieren.

U-18 Wahl

Eine Wahl für alle unter 18 Jahren, nur leider ohne Wertung. Oder doch? Die U-18 Wahl ist nicht nur eine gute Probe, wie so eine Wahl denn eigentlich abläuft, sondern spiegelt mit ihrer Auswertung den Parteien schon jetzt ab, welche Themen den baldigen ErstwählerInnen wichtig sind.

Am 17. September bekommt jeder SchülerIn der Merian Schule unter 18 Jahren die Möglichkeit, an dieser Wahl teilzunehmen. Die zeitliche Einteilung dazu steht bereits für jeden abrufbar im DSB.

Die Klassen werden dann in ihrer zugeteilten Zeit, in dem ihnen zugeteilten Wahllokal gehen und das Wahlangebot entgegennehmen können. Das Wichtigste hierbei: Die Wahlen sind frei geheim und gleich. Niemand muss daran teilnehmen.

Podiumsdiskussion

Um das politische Interesse zu fördern und die Politik direkt an unsere Schule zu holen, sodass sich SchülerInnen ihr eigenes Bild von den PolitikerInnen machen können, wurde eine Podiumsdiskussion mit Vertretern der Parteien: CDU, SPD, Die Linke, AfD, Grüne organisiert und erfolgreich gehalten. Für jeden, der nicht dabei sein konnte präsentieren wir euch hier die Aufzeichnung:

Wir bedanken uns herzlich bei allen Mitwirkenden PolitikerInnen und OrganisatorInnen, sowie ModeratorInnen und TechnikerInnen.

Scheinkraft Gravitation – eine menschliche Erfindung

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Gravitation ist eine der grundlegendsten Begriffe der Menschheit. Er beschreibt, warum Planeten sich anziehen, warum die Erde um die Sonne kreist, warum die Erde eine Atmosphäre besitzt und wieso wir nicht durch die Gegend schweben. Die Fallbeschleunigung, also die Erklärung dafür, warum fallende Gegenstände an Geschwindigkeit zunehmen, basiert vollständig auf Gravitation. Lasse ich einen Apfel los, fällt dieser zu Boden. Der Apfel bewegt sich also, während ich stehen bleibe.

Doch was, wenn es genau anders herum ist? Was ist, wenn sich nicht der Apfel an mir, sondern ich mich an dem Apfel vorbei bewege? Klingt unlogisch, denn wenn neben mir noch ein Apfelbaum, eine weitere Person oder irgendein sonstiges Objekt stehen, kann ich beobachten, dass sich der Apfel, nicht ich, bewegt.

Was aber, wenn sich auch alle Objekte um dich herum, die auf einer festen Oberfläche stehen, mit dir mit bewegen und der Apfel das einzige Objekt ist, das sich nicht bewegt. Dann erscheint der Apfel aus deiner Perspektive als bewegt, obwohl sich nicht der Apfel, sondern du dich bewegst.

Ersetzen wir den Apfel mit einer fallenden Person wird die Situation klarer: Aus Sicht dieser Person bewegst du dich an ihr vorbei. Würde der Person nicht immer und immer wieder erklärt werden, dass man von der Erde angezogen wird und sie somit auf den Boden fällt, so würde sie vielleicht denken, dass der Boden wortwörtlich ‚auf sie zu rauscht‘. Aus der Perspektive der fallenden Person würdest du als außenstehender Betrachter also zusammen mit dem Baum an ihr vorbei ‚fliegen‘, und sie im Raum ‚stehen bleiben‘, obwohl sie in wenigen Sekunden auf der Oberfläche aufschlägt.

Vielleicht kannst du dir jetzt ein wenig vorstellen, weshalb Gravitation als solches nicht bewiesen ist, denn niemand kann sagen, dass er ein außenstehender Beobachter ist, der beurteilen kann, wer sich bewegt und wer nicht, denn wer kann sich sicher sein, dass er sich genau in diesem Moment nicht bewegt, wenn man sich nicht sicher sein kann, ob sich alle Objekte um einen herum im genau gleichen Tempo mit genau der gleichen Beschleunigung bewegen?

Nehmen wir als vereinfachtes Beispiel einen Astronauten in einer Rakete. Nehmen wir zusätzlich noch an, dass dieser Astronaut noch einen Würfel mit dabei hat. Während die Rakete startet und solange sie noch nicht das (vermeintliche) Gravitationsfeld der Erde verlassen hat, ist es klar, dass sowohl der Astronaut als auch der Würfel an den Boden der Rakete gedrückt werden. Sobald die Rakete aber außerhalb des Gravitationsfeldes ist, sollten Astronaut und Würfel schwerelos sein. Das sind sie aber zumindest aus ihrer Sicht nicht, wenn die Rakete noch weiter beschleunigt, denn sie werden weiterhin an den Boden der Rakete gedrückt. Nein falsch, der Boden der Rakete drückt sich vielmehr an Astronauten und Würfel als anders herum. Trotzdem erscheint es für den Astronauten, der nicht weiß, was um ihn herum geschieht, als würde der Boden der Rakete eine Anziehungskraft auf ihn ausüben, die ihn am Boden hält.

Schon verwirrend genug? Es kommt noch besser: Die Rakete beschleunigt nun nicht mehr. Für den Astronauten wirkt es ab jetzt so, als ob er schwerelos wäre. Nach einiger Zeit wird die Rakete allerdings in das Gravitationsfeld eines anderen Planeten gezogen. Der Astronaut, der immer noch nicht weiß, was um ihn herum geschieht, würde davon allerdings nichts mitbekommen, denn aus seiner Sicht bliebe er schwerelos, genau wie der Würfel neben ihm. Die beiden schweben also durch die Rakete, ohne zu wissen, dass sie sich längst in einem Gravitationsfeld befinden, denn die Rakete bewegt sich mit exakt gleicher Geschwindigkeit und Beschleunigung mit dem Astronauten und dem Würfel auf das Zentrum des Gravitationsfeldes zu. Bis zum Aufprall der Rakete auf dem Planeten würde der Astronaut also nicht einmal bemerken, dass er auf seinen Tod zurast.

Demnach: Wer sagt uns, dass wir uns auf die Erdoberfläche zu bewegen, wenn wir fallen? Genauso gut kann es sein, dass sich die Erdoberfläche mitsamt ihrer fast 8 Milliarden Menschen (mit Ausnahme derer, die sich ebenfalls im freien Fall befinden) auf uns zu bewegt.

Diesem Phänomen möchte ich gerne mehr Wörter und mehr Zeit widmen, was allerdings die Länge dieses Artikels und meine Freizeit sprengen würde. Deshalb ist dies der erste Teil einer Artikelserie zur Scheinkraft Gravitation. Weitere Artikel werden folgen.

„Vergesst eure Kindheit nie!“

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Eine Rezension zu Erich Kästners Roman „Das fliegende Klassenzimmer“

von Emilia Laurie Brett (Klasse 8.6)

Erich Kästner – ein Name der vielen Kindern und Erwachsen sicher bereits bekannt ist. Er ist bis heute einer der meistgelesenen und beliebtesten deutschen Autoren. Er verfasste einprägsame und einmalige Geschichten, Glossen, Essays, Drehbücher, Romane für Erwachsene und vieles mehr. Von Schriftstellern bis hin zu Publizisten und Kabarett-Dichtern wurde und wird Kästner wahrgenommen und verehrt. Jedoch vor allem als Kinderbuchautor, denn seine Kinderbücher zählen zu den erfolgreichsten überhaupt. Erich Kästners zeitlose Werke, wie „Emil und die Detektive“, „Das doppelte Lottchen“, „Pünktchen und Anton“ sowie sein berühmtestes – und vom Autors selbst am meisten geschätztes – Werk, der Roman „Das fliegende Klassenzimmer“, ließen die Leser über tiefgründige Werte und Themen wie Freundschaft, Zusammenhalt, Liebe und Familie nachdenken. 

Erich Kästner begann die Arbeit an seiner „Weihnachtsgeschichte“ mitten im Hochsommer mit Blick auf die Zugspitze und beendete sie in Berlin. Erstmals veröffentlicht wurde das Buch 1933. 

„Das fliegende Klassenzimmer“ spielt während der Winterzeit in einer kleinen Stadt namens Kirchberg. Es handelt von Gymnasiasten – genauer: Tertianern – und Realschülern, die schon seit langer Zeit verfeindet sind. Die jungen Tertianer, Ulli, Johnny, Sebastian, Theodor und Martin, leben zusammen im Internat Kirchberg und unterscheiden sich vor allem durch ihre verschiedenen Charaktere, wodurch sie sich besonders gut ergänzen. Als die Realschüler allerdings einen Gymnasiasten, der die Diktathefte seiner Klasse dabeihat, gefangen nehmen, müssen die Tertianer schnell und gezielt handeln. Mit einer Schneeballschlacht nach erfolglosen Verhandlungen zeigen die Freunde den Realschülern ihren Zusammenhalt und ihre Stärke. Siegreich gehen sie aus dieser Bewährungsprobe hervor. 

Weil die Tertianer aber unerlaubt das Schulgelände verlassen haben, werden sie von ihrem Hauslehrer, Justus, mit einer seltsamen Strafe belegt: einem gemeinsamen Abend bei Kaffee und Kuchen. Justus – auf Deutsch: „der Gerechte“ – erzählt ihnen eine lehrreiche Geschichte von zwei Freunden, die in ihrer Jugend unzertrennlich gewesen seien, sich aber später aus den Augen verloren hätten. Die Tertianer erkennen schnell, dass es sich bei dieser Erzählung um Justus selbst und den „Nichtraucher“, einen Vertrauten der Jungs, handelt. Sie nutzen die Chance und vereinen die zwei Freunde wieder. 

Der Höhepunkt der Geschichte ist allerdings die erfolgreiche Aufführung des titelgebenden Theaterstücks „Das fliegende Klassenzimmer“, das von Johnny geschrieben wurde. Innerhalb der Romanhandlung proben die Gymnasiasten immer wieder für das Stück, denn die Aufführung findet vor den Weihnachtsferien statt und ist eine bedeutsame Veranstaltung für die Schüler, die anschließend in den Ferien nach Hause fahren. 

Selbst Martin – der Wortführer der Tertianer, dem seine Mutter unter Tränen geschrieben hatte, dass sie ihm diesmal das Fahrgeld nicht schicken könne – kann ein besinnliches Weihnachtsfest mit seiner Familie feiern, denn Justus unterstützt ihn, indem er ihm das nötige Fahrgeld spendiert. So haben schließlich alle Beteiligten erholsame und wunderschöne Weihnachtsferien. 

Eine Besonderheit in diesem Werk ist es, dass sich Erich Kästner als eine Figur in seinem eigenen Roman darstellt und so die Grenze zwischen Wirklichkeit und Fiktion absichtlich verwischt, denn zu Beginn sowie am Ende erzählt er von sich selbst und auch von seiner Begegnung mit einer der Romanfiguren. Kästner nutzt einige Textabschnitte, um seine jungen Leser kluge Ratschläge zu erteilen („Macht euch nichts vor und lasst euch nichts vormachen!“) und bedenkenswerte Lebensweisheiten mitzuteilen.

Aufgrund der leicht verständlichen Sprache ist der Roman recht schnell zu lesen, jedoch werden viele Personen genannt, sodass man ab und an zurückblättern muss, was es andererseits aber auch zu einem anspruchsvollen Werk macht, das die Gedächtnisfähigkeit seiner jungen Leser fordert.

Obwohl sich die erzählte Geschichte ausschließlich um Jungs dreht, kann es auch für Mädchen interessant sein. Zwar ist das Buch in einer politisch angespannten Zeit – der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten, von denen Kästners Bücher später öffentlich verbrannt wurden – verfasst worden, allerdings wirkt sich dies überhaupt nicht auf das Werk aus. In Erich Kästners „Fliegendem Klassenzimmer“ stehen vielmehr die Themen Freundschaft und Zusammenhalt an vorderster Stelle, sodass es meiner Meinung nach eher für Schüler der 4.–6. Klassenstufe geeignet ist, denn für die heutige Jugend reicht es möglicherweise nicht an Spannung. Trotzdem kann ich die Lektüre von Kästners Roman uneingeschränkt empfehlen. 

Ein offener Brief an Christian Lindner

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Sehr geehrter Herr Lindner,

drei Jahre ist es nun her, dass sie als führende Kraft die FDP wieder in den Bundestag zurück geholt haben. Mit Rufen nach Digitalisierung, Text-(und Lindner)lastigen Wahlplakaten und 10 Prozent der Stimmen haben sie dem Liberalismus in Deutschland wieder eine Stimme gegeben. Da hört der positive Teil der Geschichte auch schon auf.

Zurück im Jahr 2020, finden wir eine FDP vor, die rückratlose, inhaltslose und realitätsferne Politik betreibt, wie fast keine andere Partei. Dass diese Politik mittlerweile in den Umfragen Probleme hat, die 5%-Marke zu erreichen, ist verständlich. Aber nun lassen sie uns doch konkreter werden und die kritischen Punkte der „Lindner-FDP“-Politik einmal phrasieren.

Da wäre zum Beispiel die politische Ausrichtung der Partei, die in verschiedenen regionalen Kreisen, sowie auch auf Bundes- und EU-Ebene große Unterschiede, wenn nicht sogar Widersprüche aufweist. Einerseits strebt man nach eigener Einschätzung nach ökologischer Innovation, schreibt sich eine fortschrittliche Wirtschafts- und Umweltpolitik auf die Fahne, andererseits wirbt man aber vor allem in Ostdeutschland mit konservativen Phrasen und nimmt auch mal gerne die Zustimmung der AfD dankend an (das geht dann wohl eher an Parteikollege Kemmerich). Kurzgesagt, es braucht Richtung. Liberal sein heißt vor allem Freiheitsliebend zu sein und wer die Freiheit liebt, stellt sich gegen Parteien, die Menschen ihre sexuelle und religiöse Freiheit wegnehmen wollen, weil es ihrer Vorstellung von „deutscher Kultur“ nicht entspricht.

Kommen wir zum Hauptkritikpunkt. Wir wollen ja nicht, dass mein Brief noch länger wird, als die Jamaika-Koalitionsverhandlungen. Im 21. Jahrhundert, dem Zeitalter der Digitalisierung aber auch dem Zeitalter der ökologischen Innovation steht die Menschheit vor vielen Möglichkeiten, jedoch auch vor vielen Problemen. Klimawandel, Globalisierung, soziale Ungerechtigkeit und Korruption sind nur einige Stichwörter. Jetzt braucht es vor allem eines, Realpolitik! Politik die gleichermaßen nachhaltig und realistisch ist (also genau das Gegenteil des utopischen Gleichheitsfetischismus der Linkspartei). Eine Partei, die das erkannt hat, sind die Grünen. Man halte von ihnen, was man wolle, aber ihre realpolitische Einstellung zur Öko-Politik kann man ihnen nicht absprechen. Genau das fehlt der FDP eben. Das war am 19. September beim FDP-Parteitag wieder stark zu merken. Anderthalb Stunden haben sie da unter dem Motto „Mission Aufbruch“ über Zukunftspolitik geredet. Zentraler Punkt war natürlich wieder „Digitalisierung“. Sie wollen Schulen mit mehr Laptops ausstatten, ganze Jobs digitalisieren, aber mit welchem Geld bitte, wenn man dazu auch noch (mal wieder) Stuerreformen fordert?

Es ist die alte Leier. Große Klappe, nichts dahinter. Der momentane Pfad, den die FDP einschlägt, lässt doch sehr stark an Ihre letzten zwei Vorgänger, Phillip Rösler und Guido Westerwelle erinnern. Aber nur zu. Beweisen Sie, dass sie kein „Westerwelle 2.0“ sind und dass Ihre Vorstellungen einer „sozialen Martkwirtschaft“ und die achso-tolle Digitalisierung die Freien Demokraten wieder zurück in die Reihen der Regierung führen kann.

liberale Grüße,

Benjamin Beckert.