#Yolocaust – Kunstprojekt mit kritischer Aussage

Kunst und Medien Politik und Gesellschaft

Im Juni 1999 beschloss der Bundestag das Holocaust Mahnmal in der Nähe des Brandenburger Tors zu bauen. Es soll die Menschen an die während der NS-Zeit ermordeten Juden Europas erinnern und zum Nachdenken anregen.

Doch schon immer gab es Diskussionen um diese Gedenkstätte. Was ist mit den anderen Opfern des Holocaust oder welchen Platz wird dieses Denkmal im Kreis der Gedenkstätten in Berlin und der Welt einnehmen? Interessant ist vor allem, wie Menschen gegenwärtig mit dem Mahnmal umgehen. Manche ziehen berührt mit Tränen in den Augen durch die hügeligen Gassen. Andere spielen Fangen, turnen auf den Stelen herum oder machen Selfies für ihre Social Media Profile.

Der deutsch-israelische Autor Shahak Shapira nahm nun im Januar 2017 vor allem diese Selfies als sehr kritisch und wie ein Vergehen an unserer Erinnerungskultur  wahr und startete ein Projekt namens „Yolocaust“ in dem er auf einer Website ausgewählte private Selfies von Sozialen Netzwerken veröffentlichte. Wenn man mit der Maus nun über diese Selfies fuhr kam eine Schwarz-Weiß Version des Selfies zum Vorschein in dessen Hintergrund nicht mehr das Mahnmal, sondern “Leichenberge” des Holocaust zu sehen waren. Shahak setzte unter diese Bilder eine E-Mail Adresse und schrieb, dass er jedes Bild sofort entfernen würde wenn sich die Leute bei ihm melden und übersetzt „zum Trottel erklären“ würden. Eine Woche später hatten alle Personen eine E-Mail gesendet, auch weil das Projekt global durch die Medien ging.

Die Reaktionen fielen sehr unterschiedlich aus, so kam von Manchen überschwängliches Lob für die Aktion und von Anderen beleidigende Phrasen wie: „Heul weiter, dummer Jude“.

Die Frage ist, ob diese Methode der Kritik berechtigt ist und die richtigen Leute erreicht werden oder das Ganze nur ein riesiges, virales Medien Ereignis mit dem Betreff: „Leichenberge“ ist?

70 Jahre wissen wir, gibt es diese “Leichenberge” und nach wie vor stehen manche beim KZ- oder Museums-besuch in der Ecke und Snappen ihren Freunden ihre Langeweile. 70 Jahre “Leichenberge” und Björn Höcke nennt das Mahnmal ein „Denkmal der Schande“. 70 Jahre KZ-Besuche und ich finde unter den Bänken Schriften wie: „Ey, du Jude“. Ich denke uns Deutsche darauf hinzuweisen, dass ihr Selfie ein Vergehen an der Erinnerungskultur ist, entspricht der Sinnhaftigkeit einem 2-jährigen den Sinn des Lebens klar zu machen. Im Geschichtsunterricht wird das Thema gründlich behandelt und es ist bekannt das manche der jungen Generation von diesem Thema endlich in Ruhe gelassen werden wollen. Andere reagieren immer wieder sehr emphatisch und emotional darauf. Shahak schafft es mit seiner Aktion genau diese Leuten, die ohnehin schon offene Empathie zu diesem Thema zeigen nochmal mit “Leichenbergen” zu konfrontieren. Was ist aber mit jenen, die das Thema nach wie vor ablehnen und die auf so eine „zeig Schuldgefühle“ – Aktion mit Abwehr reagieren?

Es sollte vielmehr die Art hinterfragt werden, wie mit dem Thema bei uns umgegangen wird.

Vielleicht erreicht man mehr Erinnerungskultur, wenn nicht nur auf die Opfer verwiesen wird und als Täter Hitler, Goebbels, Göring und Eichmann als Judenmörder verbildlicht werden, sondern wie wäre es zum Beispiel, wenn ich im Bundesarchiv die Akten meiner Vorfahren beantragen könnte um ein viel deutlicheres und persönlicheres Bild davon zu bekommen, was für ein Vergehen damals geschehen ist. Durch diesen Bezug, dass jeder von uns einen Teil in der Geschichte spielt könnte man diese Thematik auf persönlich, emotionale und nicht intellektuelle Weise schließen.

Wie findet ihr das Holocaust-Mahnmal?

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